Sonntag, 17. Februar 2019

Shanghai Wunder-Bar

Der deutsche Medienmanager Ekkehard Rathgeber führt durch sein Shanghai. Für ihn ist es "die verrückteste Stadt der Welt", die auf schnellem Weg zu alten, sündigen Zeiten ist.

Dongtai Lu, die Antiquitätenstraße in Shanghai. Hier steht Bude an Bude, alle sind ordentlich durchnummeriert. Sobald man ein Objekt der Begierde auch nur in Augenschein nimmt, erheben sich die Verkäufer von ihren Stühlchen und sagen allen Ernstes: "old, very old".

Erste Adressen: Rathgeber auf dem Dongtai-Antikmarkt und ...
Greg Girard
Erste Adressen: Rathgeber auf dem Dongtai-Antikmarkt und ...
Ekkehard Rathgeber hat an Bude 38 zugegriffen. Er begutachtet einen Porzellanteller. Die Verkäuferin sagt auf Englisch: "Ming Dynasty". Soll heißen: sehr alt, sehr teuer. Rathgeber antwortet auf Chinesisch: Bu shi. Das heißt ziemlich frei übersetzt: Wer's glaubt.

Rathgeber glaubt es nicht. Er läuft weiter. Die Verkäuferin schreit Zahlen hinter ihm her, die - je weiter sich Rathgeber entfernt - immer kleiner ausfallen. Doch er will heute nichts kaufen. "Die Sachen sind oftmals sehr gut gefälscht", sagt er. Deshalb kommt er öfter in die Dong Tai Lu und kauft ein "Antiquitäten"-Schnäppchen.

Ekkehard Rathgeber (40) kennt die Verhandlungsrituale. Seit elf Jahren arbeitet er in Shanghai, erst für Bertelsmann, nun für das Hongkonger Konglomerat Hutchison Whampoa. "Das ist die spannendste und verrückteste Stadt der Welt", sagt er. Shanghai ist keine fertige Metropole wie Hongkong, New York oder Sydney. Shanghai ist eine Metropole im Entstehen. Sie verändert sich rapide. Überall wird abgerissen und neu aufgebaut. Jede Woche eröffnen neue Shops und neue Restaurants.

... im "1221", einem seiner Lieblingsrestaurants
Greg Girard
... im "1221", einem seiner Lieblingsrestaurants
Rathgeber sitzt zum Lunch im "Laris", einem der vornehmeren und etablierteren Restaurants. Es liegt am Bund, der Vorzeigepromenade Shanghais. Hier am Fluss stehen die schönen klassizistischen Gebäude, von denen bislang drei zu schicken Konsumtempeln umgestaltet wurden: Three on the Bund, M on the Bund und Bund 18.

Alle drei haben tolle Restaurants, Bars und Terrassen mit einem genialen Blick über den Fluss hinüber auf die Postkarten-Skyline von Pudong. "Hier am Bund kann man sehr gut einen Abend verbringen", sagt Rathgeber. Zum Beispiel edel speisen im "Jean-Georges" (Three on the Bund) und anschließend zum Trinken in die etwas ruhigere "Glamour Bar" (M on the Bund) oder die stets überfüllte "Bar Rouge" (Bund 18).

Hier treffen sich die Expat-Community der ausländischen Wirtschaftsleute und die neureichen Chinesen. Hier kreisen an der Bar Champagnerpullen, und auf den Tischen stehen Whiskyflaschen - natürlich zu Preisen auf Westniveau.

© manager magazin 5/2006
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