Freitag, 16. November 2018

Uhren Zeit-Zauberer

Das Tourbillon - kostspieliges Spitzenprodukt der Uhrmacherkunst - ist der Hit der Saison, seine Konstrukteure sind die Stars der Szene. manager magazin präsentiert die Meistermechaniker und ihre filigranen Uhrwerke.

Wäre da nicht die Bahnstrecke, die Zürich mit Genf verbindet und alle paar Minuten einen Expresszug mit Höllengetöse passieren lässt - das Paradies wäre perfekt. So aber wird Twann, ein steinaltes Bauerndorf, das sich zwischen steile Weinberge und die sanften Ufer des Bieler Sees schmiegt, von den Segnungen des mechanischen Zeitalters heimgesucht.

Miniaturen-Meister: Der Deutsche Thomas Prescher (40) ist nach Bundeswehrkarriere und Uhrmacherausbildung in der Schweiz an die Weltspitze seiner Zunft aufgerückt ...
Ralf Baumgarten
Miniaturen-Meister: Der Deutsche Thomas Prescher (40) ist nach Bundeswehrkarriere und Uhrmacherausbildung in der Schweiz an die Weltspitze seiner Zunft aufgerückt ...
Es ist genau der rechte Schauplatz für einen beispiellosen Spagat zwischen bodenständiger Handwerkskunst und rastloser Technologie, den Thomas Prescher hier exerziert.

Der 40-jährige Deutsche, kleine Statur, hellwache Augen hinter rahmenlosen Brillengläsern, ist ein mittlerweile international gerühmter Meister der Uhrmacherkunst. Seine Manufaktur hat er in einer aufgelassenen Posthalterei im Parterre eines Wohnhauses eingerichtet.

Alles ist nüchtern und karg, ein paar Werkbänke für seine vier Uhrmacher, eine Hand voll Maschinen, ein Büroverschlag, ein tonnenschwerer Tresor. Im Stahlschrank liegen die Preziosen, mit denen er sich einen Platz unter den führenden Uhrmachern der Welt erobert hat. Es sind die Reststücke.

... mit einem fliegenden Dreiachs-Tourbillon
Ralf Baumgarten
... mit einem fliegenden Dreiachs-Tourbillon
Denn seine feinen Werke werden ihm üblicherweise sofort aus den Händen gerissen. Von jenem russischen Botschafter etwa, der gleich 13 Stück abnahm, eine davon für den Präsidenten Putin, eigens auf rechtshändig umgebaut.

Im Stahlschrank lagert auch der einzig verbliebene Satz seiner Uhrentrilogie, die unter Kennern und Sammlern die höchsten der Gefühle auslöst: drei Uhren mit so genannten fliegenden Tourbillons, einachsig gelagert, zweiachsig und dreiachsig. Alle in Platin, nur komplett abzugeben und bislang siebenmal verkauft. 180.000, 280.000 und 380.000 Schweizer Franken das Stück.

© manager magazin 6/2006
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