Montag, 17. Dezember 2018

Faszination Fußball Kick für Chefs

6. Teil: Rolf Eckrodt, Utz Claassen

Rolf Eckrodt - Hertha BSC Berlin

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Um 13 Uhr tagte der Aufsichtsrat der Hertha KGaA. "Eine Krisensitzung", sagt AR-Chef Rolf Eckrodt (63). Die Hertha hat - eigentlich nichts Neues - ein paar finanzielle Problemchen.

Krisenerprobt: Seit fünf Jahren engagiert sich der ehemalige Hand- und Wasserballer Eckrodt als AR-Chef für die Berliner Hertha
Um 15:30 Uhr dann das Spiel der Hertha im Berliner Olympiastadion. Eckrodt sitzt entspannt auf der Ehrentribüne, denn wenigstens beim Spiel stimmen die Zahlen: 2:0 siegt die Hertha an diesem Samstag gegen den VfB Stuttgart. Seit fünf Jahren engagiert sich der ehemalige Hand- und Wasserballer Eckrodt als AR-Chef für die Hertha.

Damals war er Adtranz-Chef in Berlin. Als er später vom Daimler-Konzern zur Sanierung von Mitsubishi Motors Börsen-Chart zeigen nach Tokio abkommandiert wurde, blieb er trotzdem der Hertha treu. Die AR-Sitzungen fanden dann eben statt, wenn Eckrodt dienstlich in Deutschland weilte.

Globetrotter Eckrodt ist ein Liebhaber des brasilianischen Fußballs. Das rührt aus seiner Zeit als Chef von Mercedes-Benz do Brasil her. Dort schaute er häufig dem São Paulo FC und dessen Ballkünstlern zu. Klar, dass deshalb sein Traumfinale bei der Weltmeisterschaft Brasilien gegen Deutschland hieß, doch daraus wird nach dem vorzeitigen Ausscheiden der Seleção nun nichts. Doch egal, wer es in das Finale schafft, Eckrodt hat die Teilnahme schon sicher, denn er ist im Besitz einer Karte fürs Endspiel im heimischen Olympiastadion.

Utz Claassen - Hannover 96

Der kleine Utz war damals im Sommer 1972 neun, sein Vater 59 Jahre alt. Beide kickten im Garten. Dabei hielt der Papa den Filius einmal fest. Der trat trotzig nach und verletzte ihn. "Das war das erste und letzte Mal, dass ich jemanden verletzte" - körperlich zumindest.

Aus der Schusslinie: Als EnBW-Chef sponsert der Niedersachse Claassen schön paritätisch den Karlsruher SC (Baden) und den VfB Stuttgart (Württemberg) - und geht am liebsten zu Hannover 96
Kurze Zeit später bekam Utz eine schwere Lungenentzündung. Das war das Ende seiner Karriere, die so hoffnungsvoll in der D-Jugend des FC Schöningen 08 gestartet war. Und es begann seine steile Karriere als Zuschauer.

Sein schönstes Spiel? Im April 1988 Hannover 96 gegen Bayern München, 2:1. "Siegtor durch Grillemeier aus 30 Metern", erinnert sich Claassen, als sei es gestern gewesen. Weil nur Zuschauen auf die Dauer langweilig ist, wurde er Präsident von Hannover 96. Er stand schnell im Kreuzfeuer der Kritik, erhielt sogar Morddrohungen. Zeitweise ging er nur mit kugelsicherer Weste ins Niedersachsen-Stadion.

Heute ist er im fernen Baden-Württemberg aus der Schusslinie. Als Chef des Energieversorgers EnBW sponsert er schön paritätisch den Karlsruher SC (Baden) und den VfB Stuttgart (Württemberg). Zum KSC geht er selten, zum VfB öfter, aber am häufigsten zu Hannover 96. Dort hat EnBW auch eine Loge. Kürzlich besuchte er das brisante Spiel Hannover 96 gegen den VfB Stuttgart. Es endete 3:3. Claassen hat dreimal gejubelt - aber nicht für den Verein, auf dessen Trikots EnBW stand.

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