Freitag, 14. Dezember 2018

Nachlassplanung Vererbungslehre

Der Krach ums Erbe lässt sich vermeiden. Eine ausgeklügelte Nachlassplanung senkt die Steuerlast und rettet den Familienfrieden.

Felix Fleischer* wollte einfach mal weg, ausspannen, raus aus der stickigen Sommerhitze Stuttgarts, damals im August 2000. Mit seiner Frau Marianne machte er sich auf den Weg an den Starnberger See. Es sollte sein letzter Urlaub sein: Der 80-Jährige erlitt einen Herzinfarkt, an dem er kurz darauf starb.

Alptraum Erbschaft: Böse Überraschungen, miese Tricks und nicht enden wollende Streitereien
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Alptraum Erbschaft: Böse Überraschungen, miese Tricks und nicht enden wollende Streitereien
Der jähe Tod des Architekten war nicht das einzige Drama, das seine Familie zu verkraften hatte. Nach der Beerdigung des Seniors begann ein Krieg um Fleischers Erbe, der bis heute nicht abgeschlossen ist.

Der Clan hatte mit einem millionenschweren Nachlass gerechnet. Schließlich gehörten dem Familienoberhaupt eine Baufirma mit über 20 Angestellten, Gewerbe- und Wohnimmobilien im gesamten Bundesgebiet, zig Beteiligungen an kleineren Unternehmen, eine Stadtvilla in Stuttgart-Killesberg und das prachtvolle Ferienhaus am Starnberger See. Tatsächlich hinterließ Fleischer vor allem eines: jede Menge Ärger.

Sein Testament, in dem er seiner zweiten Ehefrau Marianne fast alles vererbte, erwies sich als ungültig. Beim Amtsgericht lag schon seit Jahrzehnten eine andere, rechtlich noch immer bindende Nachlassregelung, die Fleischer gemeinsam mit seiner ersten Frau Beate abgefasst und die er nach deren Tod 1960 offenbar schlicht vergessen hatte.

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So fanden sich statt Ehefrau Nummer zwei unversehens Fleischers Kinder aus erster Ehe, Thomas und Anne, in der Rolle der Erben wieder. Doch auch denen bereitete der Nachlass kein Vergnügen: Denn das vermeintliche Großvermögen entpuppte sich als wertlos. Auf den Liegenschaften lasten Millionenschulden, zudem stand Felix Fleischer beim Finanzamt noch mit 4,5 Millionen Euro Einkommensteuer in der Kreide - Geld, das sich der Fiskus nun von den Erben holen will.

Alptraum Erbschaft: Thomas Fleischer, der auch das Erbe seiner Schwester antrat, musste inzwischen einen Offenbarungseid leisten. Und als ob dies alles nicht schon genug wäre, liegt er nun auch noch mit seiner Stiefmutter Marianne im Clinch: Der Sohn hegt den Verdacht, dass diese unberechtigt die Schweizer Konten leer geräumt hat, auf denen Vater Fleischer heimlich Millionen gebunkert haben soll - und für die auch Marianne eine Vollmacht besaß.

Böse Überraschungen, miese Tricks und nicht enden wollende Streitereien - was nach dem Ableben des Firmenpatriarchen im Hause Fleischer geschah, trägt sich so oder ähnlich jedes Jahr tausendfach in Deutschland zu. Nicht immer kämpfen Erben derart unbarmherzig gegeneinander wie im Fall des Stuttgarter Unternehmers. Doch der Eintritt des Erbfalls provoziert in vielen Familien handfeste Konflikte.

© manager magazin 5/2006
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