Dienstag, 21. November 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Nachlassplanung Vererbungslehre

2. Teil: Immobilien-Privileg vor dem Fall

Der Grund für die Dramen im Verwandtenkreis sei meist derselbe, sagt der Hamburger Erb- und Steuerrechtler Ulrich Gerken: "Das Familienoberhaupt hat entweder keine, nur unzureichende oder missverständlich formulierte Regelungen getroffen, wie das Vermögen später einmal aufgeteilt werden soll."

Wer erbt was? Regel: Gatten im Vorteil
manager magazin
Wer erbt was?
Regel: Gatten im Vorteil
69 Prozent der Deutschen machen kein Testament, aus Bequemlichkeit oder weil ihnen der Gedanke an den eigenen Tod unangenehm ist. Dieses im Einzelfall verständliche Unbehagen jedoch beschert Erbrechtsprofis gedeihliche Geschäfte.

Denn das heikle Thema Erbschaft beschäftigt derzeit mehr Familien als jemals zuvor in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Wie das Marktforschungsinstitut Empirica berechnet hat, reichen im laufenden Jahrzehnt acht Millionen Haushalte ihr seit den Wirtschaftswunderjahren aufgebautes Vermögen in Höhe von insgesamt zwei Billionen Euro im Familienkreis weiter. Von 2010 bis 2015 sollen noch einmal Vermögenswerte in Höhe von 1,3 Billionen Euro vererbt werden.

Hinzu kommen die wachsenden Begehrlichkeiten der Finanzbehörden: Bisher bittet das Finanzamt Erben von Häusern und Wohnungen - die laut Empirica in rund 36 Prozent der Nachlässe eine Rolle spielen - nur in moderatem Umfang an die Erbschaftsteuer-Kasse. Dieses Privileg könnte noch in diesem Jahr fallen, wenn das Bundesverfassungsgericht die Bevorzugung der Immobilien gegenüber anderen Vermögenswerten als Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgebot des Grundgesetzes wertet. Käme es so, würden die Steuervorschriften für Immobilien wohl verschärft.

Wer seinen Erben all diese Scherereien ersparen möchte, sollte frühzeitig und sorgfältig planen. manager magazin weist den Weg zur gelungenen Nachlassplanung.

Der Münchener Anwalt und Wissenschaftler Klaus Michael Groll, der sechs Bücher und rund 100 Aufsätze über das deutsche Erbrecht verfasst hat, nennt vor allem zwei Grundregeln: Erstens muss ein Testament her, und zwar handschriftlich verfasst und in mindestens zwei Ausführungen, denn, so der Anwalt, "unangenehme Testamente haben die Eigenschaft zu verschwinden". Eine Kopie sollte der Erblasser zu Hause aufbewahren, die andere beim Anwalt oder dem Amtsgericht deponieren.

© manager magazin 5/2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH