Freitag, 14. Dezember 2018

Metro "Nicht mehr realisierbar"

2. Teil: Widersprüchliche Auskünfte

Anfang 2006 stellte Hereth zum wiederholten Mal Strafanzeige gegen aktuelle und ehemalige Mandatsträger der Metro - wegen des Verdachts auf Bildung einer kriminellen Vereinigung, auf Betrug, Untreue, Falschbilanzierung sowie auf Steuerhinterziehung in Sachen Divaco. Von einem "Täterplan" und von der Divaco als "Veruntreuungsvehikel" ist da die Rede.

Metro-Vorstandschef Körber: "Divaco hat auch Schulden übernommen"
Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf nahm jedoch keine Ermittlungen auf; sie sah - wie auch schon bei vorherigen Anzeigen Hereths - keinen Anfangsverdacht. Hereth hat Beschwerde beim Generalstaatsanwalt eingelegt.

Selbst wenn es keine Anhaltspunkte für strafrechtliche Handlungen geben sollte - Körber und seine Vorstandskollegen haben selbst viel dafür getan, die Divaco-Transaktion ins Zwielicht zu setzen. Unklare, zum Teil widersprüchliche Auskünfte, nicht eingehaltene Zusagen und rätselhafte Handlungen reihen sich so konsequent aneinander, als stecke System dahinter.

So gehörte zu den Vermögensgegenständen, die Ende 1998 zum Buchwert an Divaco abgegeben worden waren, unter anderem eine Beteiligung an der Mobilfunkfirma Debitel Börsen-Chart zeigen. Die wurde kurz darauf mit einem dreistelligen Millionengewinn weiterveräußert. Warum kam dieses Geld nicht den Metro-Aktionären zugute, warum versickerte es - wie andere Verkaufserlöse auch - in der Divaco?

Körber hielt solchen Fragen stets entgegen, Divaco habe von der Metro auch Schulden übernommen; übertragen wurden zudem Beteiligungen und laufende Mietverpflichtungen, die nur mit Verlust losgeschlagen beziehungsweise gegen Bares abgelöst werden konnten.

Mag ja sein. Aber warum wurde darüber nie Rechenschaft abgelegt? Noch in der Hauptversammlung 2002 hatte Körber eine Schlussabrechnung zum Jahresende 2002 versprochen. Doch die gab es nicht; stattdessen überließ Metro die Divaco Ende 2003 für einen Euro dem ehemaligen Metro-Manager Kaske.

Beim Aktionärstreffen 2002 hatte Körber zudem gesagt, "etwaige Verluste auf der Wegstrecke hat die Gesellschaft (Divaco) selbst zu tragen". Ende 2003 galt das offenbar nicht mehr. Bevor der Konzern die Firma an Kaske abgab, verzichtete Metro auf die Rückzahlung eines Darlehens von 250 Millionen Euro.

Dass alles länger dauerte als geplant, lag laut Körber daran, dass zwischen 1998 und 2002 der Kapitalmarkt eine rasante Talfahrt erlebte: "Veräußerungserlöse, die man ursprünglich angedacht hatte, waren im Zuge des Werteverfalls am Kapitalmarkt nicht mehr realisierbar."

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