Montag, 10. Dezember 2018

Volkswagen Piëchs Geheimwaffe

6. Teil: In zehn Jahren zur Nummer eins?

Winterkorn hat Großes vor in den kommenden Jahren. Die genauen Ziele präsentierte er seiner Mannschaft auf dem zweiten Führungskräftetreffen im Dezember in Salzburg.

Absatz und Umsatzrendite: Audi im Vergleich mit BMW, Lexus und Mercedes
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Die "Strategie 2015" hat es in sich. In zehn Jahren, so gab Winterkorn seinen Leuten vor, müsse Audi weltweit Premiumhersteller Nummer eins sein. Er will:

  • die beste Kapitalrendite haben,
  • die meisten Autos verkaufen,
  • die zufriedensten Kunden und
  • die zufriedensten Mitarbeiter haben.

2005 lagen die Marken BMW und Mercedes noch je 300.000 Fahrzeuge vor Audi, und Branchenexperten wie B&D-Forecast-Chef Ferdinand Dudenhöffer erwarten, dass BMW und Mercedes diesen Vorsprung bis 2010 halten werden. Aber Winterkorn hat eine klare Vorstellung, wie er seine Ziele erreichen will.

Klar, einerseits mit einer ganzen Flotte neuer Modelle, dem bullig-dynamischen Scheingeländewagen Q7 und seinen zwei kleinen Brüdern, einem neuen A4, der Neuauflage des Coupés TT, dem größeren Coupé A5 und einem Raummodell, einer Mischung aus Van und Sportwagen.

Als eigentlichen Schlüssel zum Erfolg aber präsentierte Winterkorn den "modularen Längsbaukasten". Dahinter verbirgt sich nicht weniger als ein komplett neues Baukonzept. Ab der neuen Generation des A4 soll sich alles ändern: Audi bekommt neue Achsen, neue Plattformen, neue Produktionskonzepte. Mehr als zwei Milliarden Euro werden in diesen neuen Baukasten investiert.

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Die Komponenten werden dabei verzahnt und bauen aufeinander auf, vom Mittelklassewagen A4 bis zum Luxusmodell A8. Es wird zum Beispiel nur noch ein Klimasystem geben, abstufbar auf die Fahrzeugklassen. Die Audi-Zukunft könnte der Toyota-Gegenwart ähneln. "Ich bin nicht zu stolz, etwas Gutes zu kopieren", sagt Winterkorn. Die Synergien? "Gehen in die Milliarden", sagt der Chef knapp. Zweistellige Produktivitätszuwächse soll das Projekt bringen. Jährlich.

Die Verkaufsrekorde, die Winterkorn zuletzt angekündigt hat, werden vor dem Hintergrund zur Pflicht. Aktuell könnten die Audi-Werke in Ingolstadt und Neckarsulm mit 3000 Mitarbeitern weniger auskommen. Verfehlt Winterkorn seine Produktionsziele, droht den Audi-Beschäftigten eine ähnliche Situation wie den Kollegen in Wolfsburg.

Zu denen pflegen die Audianer traditionell eine komplizierte Beziehung. Erst rettete VW Audi, dann bremste Wolfsburg allzu zügige Expansionspläne der Bayern. Heute sorgt Audi dafür, dass das Konzernergebnis trotz der Misere bei VW einigermaßen stimmt. Lieb gewonnen hat man sich nicht in all den Jahren.

© manager magazin 5/2006
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