Sonntag, 4. Dezember 2016

WAZ Los, Kohle her!

Krach im Gesellschafterkreis der WAZ - die Familien genehmigten sich 400 Millionen Euro aus dem Unternehmensvermögen. Wer solche Gesellschafter hat, braucht keine Heuschrecken.

Die Leute von der WAZ sind alle Milliardäre oder doch wenigstens beinahe. Einige von ihnen, kann man sagen, verjuxen auch ihr Geld. So was lässt sich nie ganz vermeiden. Aber spinnefeind, das sind sie sich fast alle.

Ein Haus, zwei Männer, zwei Meinungen: Die Verlagsstrategen Erich Schumann und Günther Grotkamp
[m] DPA, mm.de
Ein Haus, zwei Männer, zwei Meinungen: Die Verlagsstrategen Erich Schumann und Günther Grotkamp
Denn die Leute von der WAZ sind nicht nur mit Glücksgütern gesegnete, sondern auch raue und rabiate und üble und überhaupt ganz liebenswerte Burschen, die vor nichts Angst haben und sich mit jedem anlegen, der ihnen dumm oder dämlich kommt, und wenn's die eigenen Leute sind.

An einem Sommertag vergangenen Jahres zum Beispiel, am 20. Juli, hatten 520 Millionen Euro die Konten der WAZ geflutet in breitem, gurgelndem Strome. Es handelte sich um das Geld, das die Essener Verlagsgruppe für ihren RTL-Anteil von Bertelsmann bekommen hatte. 520 Millionen Euro sind eine hübsche Stange Geld. Auch für die Leute von der WAZ, die in großen Zahlen leben, denken, arbeiten und schwelgen.

Andererseits üben 520 Millionen Euro auch eine bemerkenswerte Wirkung aus: Denn - man stelle sich vor: nicht einmal acht Wochen später - am 9. September zur Nachmittagsstunde gegen fünf, halb sechs machten sich die Damen und Herren der WAZ sozusagen plündernd über ihre Firmenkasse her.

Und wer sich ganz nah zu ihnen hinabgebeugt hätte, der hätte sie vielleicht sogar schnaufen gehört wie alte, freundliche, tapfere Bernhardiner, die ihren Napf kaum schaffen, aber trotzdem nicht aufhören können.

Man füllte Überweisungen aus, dass es nur so schnalzte: Binnen Minuten flossen 409 Millionen Euro aus dem Vermögen des Familienunternehmens ab, als hätte jemand den Stöpsel aus der Badewanne gezogen.

Nur einer der Teilnehmer hatte bis zum Schluss gegen die Beschlagnahme demonstriert und sich, wenngleich vergeblich, seinen marodierenden Neffen und Schwägerinnen entgegengestellt, weil er der Meinung war und bis heute blieb, dass die Firma das Geld weit nötiger habe als die liebe Verwandtschaft.

Dieser eine war Günther Grotkamp, ein 78-jähriger Spezialist vom alten Schlag der Haudegen und (nach Maßgabe seiner Widersacher) der querulatorischen Spezialeffekte. Grotkamp blafft, er werde "den Teufel tun und auch nur ein Sterbenswort zu der ganzen Sache sagen". Denn die ganze Sache liegt seit dem 10. Oktober 2005 beim Landgericht Essen: Aktenzeichen 12 O 374/05.

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