Samstag, 17. November 2018

Quandt-Dynastie Erben ohne Fortune

Der Quandt-Clan hat die deutsche Wirtschaftsgeschichte geprägt. Jetzt zeigen sich tiefe Risse im Industrie-Imperium. Die neue Generation scheint als Unternehmer überfordert.

Still sind die Tage in Bad Homburg. Eine Schläfrigkeit liegt über den videoüberwachten Villen, die hart ans Trübselige grenzt. Ackerflächen prägen das Bild in der schmalen Straße "Am Pilgerrain". Leicht zurückgesetzt ein Bungalow-Ensemble aus graubraunem Stein, mit vielen Fenstern, deren Sonnenblenden den Blick ins Innere verstellen.

Stefan Quandt  und Susanne Klatten: Den Quandt-Nachkommen mangelt es an Weitsicht und Gespür für Zukunftsmärkte
[M] mm.de / DPA / DDP
Stefan Quandt  und Susanne Klatten: Den Quandt-Nachkommen mangelt es an Weitsicht und Gespür für Zukunftsmärkte
Hinter den diskreten Fassaden wird Industriegeschichte geschrieben. Hier befindet sich das Machtzentrum der Quandt-Dynastie. Hier, in der verträumten Kleinstadt unweit des Bankenzentrums Frankfurt, plante Firmenpatriarch Herbert einst die Rettung von BMW Börsen-Chart zeigen. Und hier sind auch in diesen Monaten Entscheidungen zu treffen über Milliarden von Euro, die zigtausende Beschäftigte und Anleger berühren.

Zwei Weichenstellungen stehen an, die über die Zukunft des Quandtschen Riesenreichs entscheiden:

  • Die Altana AG Börsen-Chart zeigen, zu 50,1 Prozent im Besitz der Quandt-Tochter Susanne Klatten (43), wird zerteilt. Die Chemiesparte geht an die Börse; der größere Pharmateil kann allein nicht überleben.
  • Das Konglomerat Delton, das zu 100 Prozent Susannes Bruder Stefan Quandt (39) gehört, leidet unter Missmanagement und Verlusten - der Ausverkauf droht.

Mehr als ein Jahrhundert lang prägten die Quandts die deutsche Wirtschaft. Zu ihrem Reich zählten einst Beteiligungen am Autokonzern Daimler-Benz, an Milupa, Medima und Mauser. Und noch immer umfasst der Besitz des Clans geschätzte 20 Milliarden Euro.

Die Erben nennen rund die Hälfte an BMW ihr Eigen und betreiben eine Vielzahl kleinerer Engagements, etwa bei den Chipkartenfirmen Datacard und Gemplus oder beim Sonnenprofiteur Solarwatt.

Doch das Imperium der reichsten und bedeutendsten Wirtschaftsdynastie deutscher Provenienz bröckelt. Seit dem Tod des Magnaten Herbert Quandt 1982 hat die Familie keine Unternehmerpersönlichkeit mehr hervorgebracht, die mit zupackender Hand das Erbe zusammenhält.

[M] DDP; DPA; mm.de
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Den Nachkommen mangelt es an Weitsicht und Gespür für Zukunftsmärkte - eben an jenen Eigenschaften, dank derer die Vorfahren den gigantischen Industriebesitz anhäufen konnten.

Vater Herbert hatte den Familienschatz noch zu Lebzeiten unter den sechs Kindern aus drei Ehen aufgeteilt. Er verfügte, dass Susanne und Stefan ihren jeweils eigenen Konzern bekamen. In der Führung von Altana und Delton sollten sie ihr unternehmerisches Geschick beweisen.

Die zwei Geschwister mühen sich redlich, aber ohne große Fortune. Vieles deutet darauf hin, dass es Delton und Altana ähnlich ergehen wird wie dem Varta-Konzern, den Herbert Quandt einst seinen Kindern Sonja (54), Sabina (53) und Sven (49) übereignet hatte - und von dem wenig mehr als eine Knopfzelle geblieben ist.

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