Montag, 17. Dezember 2018

Quandt-Dynastie Erben ohne Fortune

9. Teil: Macht Geld allein glücklich?

Der Fall Seedamm oder: Macht Geld allein glücklich?

Definiert man Reichtum nach dem Börsenwert von Unternehmensbeteiligungen, dann sind die Quandts heute wohlhabender als jemals zuvor. Doch dieses schlichte Maß wird dem Selbstverständnis der Vorfahren nicht gerecht.

Familienverhältnisse: Stammbaum der Quandt-Dynastie
manager magazin
Familienverhältnisse:
Stammbaum der Quandt-Dynastie
Emil Quandt, Begründer des Imperiums, sein Sohn Günther und der Enkel Herbert haben Konzerne aufgebaut, sie standen häufig selbst an der Spitze ihrer Firmen, haben Jobs geschaffen und Technologien vorangetrieben.

Ihre Nachfolger in der vierten Generation tun nichts von alledem. Sie sind Meister im Laufenlassen. Wenn die Familie etwas Neues entwickeln soll, wie bei Altana und Delton, "dann fehlt ihr das Geschick und der Mut", sagt ein Quandt-Intimus.

Das Denken der Quandts wird bestimmt von der Sehnsucht nach Normalität. Sie wollen eine bürgerliche Familie sein, in einer glamourfreien Zone. Hin- und hergerissen zwischen preußischem Vorwärtsdrang und der Vorliebe für die zweite Reihe, geraten sie oft in eine Zwischenwelt: Weder mögen sie sich komplett heraushalten, noch können sie unmittelbar Einfluss ausüben.

Mit dieser Einstellung kann der große Wurf kaum gelingen, sie taugt bestenfalls zum Betrieb einer Vermögensbewahrungsanstalt. Stefans und Susannes Cousinen, die fünf Töchter ihres Onkels Harald sind genau diesen Weg gegangen. Sie haben ihr Geld in Fonds eingebracht und kassieren ordentliche Renditen. That's it.

Auch Johanna, Stefan und Susanne legen ihre Barschaft recht rentierlich in der familieneigenen Geldsammelstelle an - der Seedamm Vermögensverwaltung GmbH. In dem Family Office spielt Claus-Michael Denk (54) eine wichtige Rolle. Der selbstständige Jurist gilt als enger Vertrauter von Stefan Quandt und seiner Mutter, er ist in fast jede maßgebliche Entscheidung mit eingebunden.

Geleitet wird die Seedamm Vermögensverwaltung seit 1991 vom ehemaligen Bertelsmann- und KPMG-Mitarbeiter Johannes Fritz (51). Ein unscheinbarer Mann mit Nickelbrille und Anzug von der Stange. Typ: Sparkassendirektor.

Der scheue Herr Fritz hat sein Büro im Günter-Quandt-Haus, hinter den Sonnenblenden, in Sichtweite der Wiesen und Ackerfrüchte. Dort, wo sich dem Betrachter der Eindruck von Ruhe und Gelassenheit aufdrängt - während es im Inneren brodelt und braust.



© manager magazin 4/2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH