Mittwoch, 14. November 2018

Quandt-Dynastie Erben ohne Fortune

7. Teil: Streit unter Alphamännchen

Gleichwohl hatte Quandt mit Eierhoff den falschen Mann geholt. Der Ex-Bertelsmann-Manager trat sehr selbstbewusst auf, er verbat sich jeglichen Versuch von Holdingchef Winter, sich in das Geschäft der Thiel Logistik einzumischen. Eine Attitüde, die Winter nicht ertragen konnte. Folglich gerieten "die beiden Alphamännchen" (ein Delton-Aufsichtsrat) ständig aneinander.

Zu selbstbewusster Retter: Ex-Bertelsmann-Manager Eierhoff musste bei Thiel den Chefsessel räumen
Als dann die Presse auch noch spekulierte, Thomas Middelhoff (52) wolle seinen früheren Bertelsmann-Kollegen in die Karstadt-Leitung hieven, war für Stefan das Maß voll. Wer für Quandt arbeite, habe loyal zu sein, monierte er.

Eierhoff beteuerte, er wolle nicht wechseln, aber der Riss war nicht mehr zu kitten. Im Sommer 2005 ging der Thiel-Chef. Wenig später räumte Winter fast die gesamte zweite Managementebene leer.

Die Lücke, die Eierhoff und sein Trupp hinterließen, überbrückte Quandt auf eher unkonventionelle Weise: Er beauftragte Winter, neben seinem Job als Delton-Chef die operative Leitung von Thiel Logistik zu übernehmen. Die Sinnhaftigkeit der Personalie will sich nur schwer erschließen, versteht sich doch Finanzfachmann Winter auf Logistik so gut wie ein Brummifahrer auf Bilanzkosmetik.

Heute steht Quandt vor einem Fiasko. Die Thiel-Aktie, für die er bis zu 25 Euro bezahlt hatte, ist derzeit auf unter 3,50 Euro abgesackt. Mit 1,8 Milliarden Euro repräsentiert die Logistik rund drei Viertel des Delton-Umsatzes - und bringt nur Verluste ein. 2005 betrug das Defizit 53 Millionen Euro. Immerhin konnte Thiel im ersten Quartal dieses Jahres in die Gewinnzone zurückkehren.

Inzwischen gibt es ernsthafte Interessenten wie die Deutschen Post Börsen-Chart zeigen und Schenker, die Thiel ganz oder in Teilen kaufen wollen. Doch mit einem Thiel-Verkauf wären die Probleme längst nicht gelöst. Auch die Firma Ceag, die Ladegeräte für Mobiltelefone fertigt und zu 75 Prozent Delton gehört, bereitet wenig Freude. Branchenkenner behaupten, Winter wolle Ceag nach China verkaufen.

Delton bestünde dann nur noch aus zwei Teilen: der profitablen Pharmafirma Heel, die 2004 gerade mal einen Umsatz von 126 Millionen Euro auswies, und dem angeschlagenen Folienhersteller Cedo (Umsatz 2004: 181 Millionen Euro). Eine bittere Bilanz für den Milliardenerben, der so gern den erfolgreichen Konzernchef gegeben hätte.

© manager magazin 4/2006
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