Mittwoch, 20. März 2019

Fußballgeschäft "Da fehlt die Kontrolle"

Herbert Henzler, Ex-McKinsey-Chef und Berater von WM-Organisator Franz Beckenbauer, spricht im Interview mit manager magazin über die Probleme der Fußball-WM und analysiert die Schwächen der deutschen Sportmanager.

mm: Herr Henzler, in wenigen Wochen wird in München die Fußballweltmeisterschaft angepfiffen. Reicht die Zeit, um die zahlreichen organisatorischen Probleme bis dahin noch zu lösen?

Henzler: So viele Probleme sind das gar nicht. Die Kritik von Verbraucherschützern, Stiftung Warentest, aber auch den Medien scheint mir überzogen. Da missbrauchen einige die Weltmeisterschaft als Plattform, um sich zu profilieren.

Beckenbauer-Berater: Ex-McKinsey-Chef Henzler
Frank Bauer
Beckenbauer-Berater:
Ex-McKinsey-Chef Henzler
mm: Der Ärger um die Ticketvergabe, die Absage der Eröffnungsfeier in Berlin, die Sicherheitsprobleme in den Stadien - alles nur aufgebauscht?

Henzler: Nicht alles. Aber es hat viele Missverständnisse gegeben. Die Öffentlichkeit hat zum Beispiel geglaubt, Deutschland könne die WM nach eigenem Gutdünken gestalten. Aber dem ist natürlich nicht so. Die Fifa ...

mm: ... der Weltfußballverband ...

Henzler: ... gibt als Veranstalter der WM sehr spezielle Anweisungen, etwa für die Verteilung der Eintrittskarten, für die Infrastruktur und den Ablauf der Spiele. Da ist das Organisationskomitee oft nur ausführendes Organ. Hinzu kommt, dass es sich die Organisatoren mit ihrem deutschen Hang zum Perfektionismus teilweise selbst schwer gemacht haben.

mm: Sie beraten das Organisationskomitee. Was lief schief?

Henzler: Nehmen Sie die Ticketvergabe: Da sollte der ganz große Wurf gelingen. Die Verlosung per Internet soll Chancengleichheit garantieren, die registrierte Passnummer jedes Bewerbers den Schwarzmarkt ausschalten und Sicherheitsproblemen vorbeugen. Die Warteliste für Karten, die aus den Teilnehmerländern zurückkommen, soll Lücken auf den Rängen wie 2002 in Japan und Südkorea verhindern. Das ist alles so komplex, dass man es kaum noch beherrschen kann.

mm: Die Zuschauer mussten Karten vorab bezahlen, die sie womöglich nie bekommen werden. Dass eine solche Regelung nicht gut ankommt, hätte man wissen müssen.

Henzler: Was die Details des Ticketverkaufs angeht, kann man Dinge immer besser machen. Das Grundproblem ist doch, dass es drei Millionen Tickets für 30 Millionen Bewerber gibt. Aber warten Sie ab: Spätestens wenn Deutschland am 9. Juni zur Eröffnung gegen Costa Rica spielt, löst sich alles in Wohlgefallen auf.

© manager magazin 3/2006
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