Montag, 21. August 2017

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Spitzenhotels Luxus ohne Prunk

Über Holzkohle in der Küche, Flatscreens in Badezimmern und die Notwendigkeit eines Butlerservice sprach manager magazin mit Hyatt-Chef Bernd Chorengel.

mm:

Herr Chorengel, wie schafft man es vom Koch der Bahnhofsgaststätte Bergedorf zum Chef eines der weltweit führenden Luxushotelkonzerne?

Vom Bahnhofskoch zum Topmanager: Hyatt-Chef Bernd Chorengel
Jan Riephoff
Vom Bahnhofskoch zum Topmanager: Hyatt-Chef Bernd Chorengel
Chorengel: Da war Glück im Spiel. Ich bin mit 20 aus Deutschland weggegangen, zur See gefahren und Mitte der 60er Jahre in Thailand gestrandet. Zwei Jahrzehnte lang arbeitete ich in der Hotellerie in Hongkong, Singapur, überall in Asien. Mit 28 war ich Geschäftsführer des größten Hotels in Singapur. Danach habe ich Herbergen in ganz Asien aufgebaut.

mm: Und das ohne Hotellerieausbildung?

Chorengel: Nicht ganz, ich habe ein bisschen in der Hotelfachschule in Bad Wiessee aufgeschnappt, dann ein wenig in Westberliner Hotels dazugelernt. Ich wollte damals nicht zur Bundeswehr und Erbsensuppe für die Armee kochen.

mm: Die Hotelgruppe Hyatt International, die Sie seit 1984 leiten, definiert sich über eine neue Art Luxus. Was müssen wir uns darunter vorstellen?

Chorengel: Ich kenne sehr viele Kulturen und versuche, die Lebensweisen anderer Nationen und Menschen zu kombinieren, chinesischen und japanischen Luxus in unsere Hotels hineinzuziehen. Ob das nun der Service ist, das Essen oder die Innenausstattung. Daraus entsteht ein neuer internationaler Stil, der verschiedene Kulturen integriert.

Innenhof: Das Hyatt Hotel in Hamburg ist in ein altes Kontorhaus eines Reeders von 1912 eingezogen Atrium: Faszinierender Blick hoch zur Glaskuppel im Treppenhaus Lounge: Die Räume sind mit Fußböden und Wandpaneelen aus schönen Hölzern eingerichtet Pool-Bereich: Rettungsringe erinnern an den um die Ecke gelegenen Hafen

Hanseatische Zurückhaltung: Park Hyatt in Hamburg
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mm: Worin unterscheidet sich ein "Hyatt" von anderen Luxushotels?

Chorengel: "Hilton", "Interconti", "Sheraton" oder "Four Seasons" machen überall auf der Welt das Gleiche, das Zimmer in Hongkong sieht so aus wie das in Frankfurt. Der Gast aber möchte wissen, in welcher Stadt er ist, wenn er morgens aufwacht.

mm: Daran sollen ihn Architektur und Einrichtung der Häuser erinnern. Nach welchen Kriterien suchen Sie die aus?

Chorengel: Die Gebäude sollen sich in die lokalen Gegebenheiten einpassen. In Hamburg zum Beispiel sind wir in das Kontorhaus eines Reeders von 1912 eingezogen. Und haben es wieder hergerichtet, mit Fußböden und Wandpaneelen aus schönen Hölzern. Dazu haben wir überall alte Truhen aufgestellt, die damals bei reichen Kaufleuten in den Schlafzimmern standen. Ähnlich verfahren wir in Peking oder Mumbai.

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