Mittwoch, 19. Dezember 2018

Aldi Sparen, schweigen, golfen

Wie Karl und Theo Albrecht den Discounter führen.

Die Geheimniskrämer: Sie meiden die Öffentlichkeit, jedes Foto von ihnen ist eine Sensation, ihre Sparsamkeit ist so berühmt wie berüchtigt. Karl (Süd) und Theo Albrecht (Nord) führen das geteilte Handelsimperium Aldi äußerst verschwiegen. Offiziell haben sich beide aus der Führung zurückgezogen. Die Mehrheit an ihren Gesellschaften übertrugen sie früh an Familienstiftungen.

Kauft selbst bei Aldi: Karl Albrecht (85) lebt seine Geschäftstugenden
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Kauft selbst bei Aldi: Karl Albrecht (85) lebt seine Geschäftstugenden
Vor allem Theo aber dominiert seinen Teil weiter und sitzt fast täglich an seinem Schreibtisch in der Essener Zentrale. Ihren Nachkommen trauten die Konzerngründer die Topjobs nicht zu, heißt es im Umfeld.

Ehemalige Mitarbeiter erzählen meist bewundernd von den Patriarchen: etwa über Karl und sein Haus in Donaueschingen. Dort lasse sich der AldiSüd-Chef nicht etwa aus seinem nebenan gelegenen Golfhotel versorgen. Stattdessen kaufe er Sparsamkeit ist erste Bürgerpflicht im örtlichen Aldi ein.

Die Albrecht-Brüder und auch einige ihrer Kinder wohnen in einem Essener Nobelviertel. Sie gehen sonntags zur Kirche, spielen Golf, und Theos Frau Cäcilie trifft sich regelmäßig mit einer Bridge-Runde. Ansonsten meiden sie die Essener Gesellschaft weitgehend.

Fast täglich im Büro: Theo Albrecht (83) dominiert Aldi Nord noch immer
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Fast täglich im Büro: Theo Albrecht (83) dominiert Aldi Nord noch immer
Die Nord-Sippe: Theos Söhne Berthold (51) und Theo junior (55) sitzen im Verwaltungsrat von Aldi Nord, stehen aber im Schatten familienfremder Manager. Berthold schaffte es in die "Bunte", als er 1990 Vater von Vierlingen wurde. Die Söhne sind ähnlich verschwiegen wie Theo senior. Als die Schule seiner Kinder Berthold um eine Spende für eine fällige Renovierung bat, zögerte er und half nur unter einer Bedingung: Die Gabe dürfe nicht publik werden.

Die Süd-Sippe: Karl junior (58) hat das Unternehmen schon vor Jahren wegen einer Krankheit verlassen. Ohnehin, sagen Aldi-Kenner, fehle ihm das unternehmerische Geschick seines Vaters. An Sparsamkeit mangelte es ihm jedoch nicht. Wer mit ihm zum Essen verabredet war, landete mitunter nicht im Restaurant, sondern auf einer Parkplatzbank und wurde aus dem Picknickkorb bedient. Seine Schwester Beate Heister (54) war nie im Unternehmen tätig.


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