Sonntag, 16. Dezember 2018

Aldi Die Inventur

2. Teil: Die strategische Falle

Der Umsatz der Aldi-Filialen stagniert hier zu Lande mehr oder weniger bei 21 Milliarden Euro. Konkurrent Lidl (2700 Märkte, rund 13 Milliarden Euro Umsatz) dagegen expandiert weiter aggressiv. Auch im Ausland ist Lidl der Schnellere. Aldi hinkt hinterher.

Schwächelnde Rendite: Die Aldi-Nord-Filialen verdienten in Deutschland 2004 rund 13 Prozent weniger als 2003.
Manfred Witt
Schwächelnde Rendite: Die Aldi-Nord-Filialen verdienten in Deutschland 2004 rund 13 Prozent weniger als 2003.
Die Rendite schwächelt noch deutlicher als der Umsatz. Die 2500 Aldi-Nord-Filialen etwa verdienten in Deutschland 2004 rund 13 Prozent weniger als 2003.

Der Konzern steckt in einer strategischen Falle. Macht er weiter wie bisher, verzichtet er mehr oder weniger auf wachsende Umsätze und Erträge. Ändert er sein Geschäftsmodell, verlässt er die Grundlage seines Erfolgs.

Denn wenn künftig immer mehr Markenprodukte in den Regalen stehen und Dienstleistungen wie Handykarten oder Reisen angeboten werden sollten, würde die schöne, simple Aldi-Welt schwierig, komplex - und beliebig. Aldi verlöre seine Alleinstellung als Deutschlands einziger Hard-Discounter, als Spezialist für ein schmales Sortiment von meist lange haltbaren Waren des täglichen Bedarfs, die unter Eigenmarken angeboten werden.

Die strategische Weichenstellung fällt just in eine Phase, in der sich auch das Regnum der beiden alten Herren seinem natürlichen Ende zuneigt. Die nächste Albrecht-Generation - auch schon älter als 50 Jahre - scheidet aus, teils mangels Interesse, teils weil ihr das volle Vertrauen der Gründer fehlt. Und die dritte Generation ist zu jung. (siehe: "Wie die Albrechts den Discounter führen") So werden Männer wie Hartmuth Wiesemann (Nord), Ulrich Wolters, Norbert Podschlapp und Jürgen Kroll (Süd), die heute noch unter der Aufsicht der Albrechts stehen, Aldi in eine ungewisse Zukunft führen.

Noch sind die Albrecht-Brüder auch physisch präsent. Kaum ein Tag vergeht, an dem Theo nicht an seinem Schreibtisch in der Zentrale sitzt. Karl lässt es ein wenig ruhiger angehen. Auch für die Zeit nach ihrem Abtreten erwarten die Brüder keine Umbrüche.

"Für die Aldi-Kultur stehen die Nachfolgegeneration und vor allem die vielen Mitarbeiter, die schon lange im Unternehmen sind", heißt es im Hause Albrecht. Ziel sei eine kontinuierliche Weiterentwicklung. Dabei werde es natürlich Veränderungen geben, "in den nächsten wie in den letzten 20 Jahren".

Bislang lief es gut, das Aldi-Modell. Sehr gut sogar. Kein deutsches Handelsunternehmen kann so stolze Renditen vorweisen (zwischen 4 und 6 Prozent). Aldi braucht keine Kredite, alles ist selbst finanziert.

Autohändler in Essen und Mülheim berichten, Aldi kaufe nicht einmal seine Dienstwagen auf Pump. Die Mercedes-Limousinen der C- und E-Klasse werden bar bezahlt, nicht geleast.

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