Samstag, 23. September 2017

Personalberater Jäger in fremden Revieren

Zoff in ehrenwerten Firmen, Insolvenzen und Neugründungen - die Headhunter-Branche wird in Deutschland kräftig durcheinander gewirbelt.

Sie sind die Königsmacher. Ihnen steht jede Führungsetage offen, sie kennen die Karrieren und das Privatleben der Manager bis ins Detail. Dank ihrer Erfahrung finden sie die brillantesten Kandidaten für Vorstands- und Geschäftsführerpositionen. Und vor allen Dingen: Sie verrichten ihre Arbeit absolut geräuschlos, mit höchster Solidität und Verschwiegenheit.

Einsame Jäger: Viele Headhunter streichen unberechenbar wie versprengte Wölfe durch die Reviere von Vorständen und Aufsichtsräten
So jedenfalls zeichnet das illustre Völkchen der Personalberater sein eigenes Klischee. Die Realität sieht oftmals anders aus.

Da trennte sich zum Beispiel im Sommer 2005 Tiemo Kracht (40), Chef der zweitgrößten deutschen Headhunting-Firma Heidrick & Struggles Börsen-Chart zeigen, mit lauten Misstönen von 6 seiner damals noch 30 Berater - darunter so angesehene Partner wie Florian Schilling (52) und Franco Parodi (45). Seither "brennt bei Heidrick & Struggles die Hütte", sagt Konkurrent Heiner Thorborg (61).

Krachts Führungsstil findet bei Heidrick nur verhaltene Zustimmung. Insider berichten, dass fünf bis sechs Berater auf dem Absprung sind - sie wollen nur noch bleiben, bis im März die zweite Tranche der Boni für 2005 ausbezahlt wird. "Von diesem Schlag wird sich Heidrick die nächsten fünf bis zehn Jahre nicht erholen", meint Werner Penk (49) von Russell Reynolds.

Einer hatte es nicht nötig, auf die leistungsabhängige Vergütung zu warten: Jürgen Mülder (68) verließ Heidrick schon im September. Obwohl er als Vice Chairman zum Board der weltumspannenden Heidrick-Organisation gehörte, war er in die Personalentscheidungen nicht eingebunden. Dies schien Kracht, wie er lapidar formuliert, "nicht nötig".

Zum Streit mit Kracht will sich Mülder nicht weiter äußern. Er lehnt sich gelassen in seinem Sessel zurück, zündet sich eine Zigarre an und sagt mit maliziösem Lächeln nur so viel: "Das machte mir dort keinen Spaß mehr."

Der Grandseigneur hinterlässt eine große Lücke. Auf dem deutschen Markt hatte Heidrick erst durch den Kauf der renommierten Firma Mülder & Partner 1997 das Zutrauen der Klientel erworben. Ohne Mülder fehlt die Galionsfigur.

Seine Kontakte bringt der Mann, der unter anderem Walter Raizner (51) in den Vorstand der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen holte, in eine neue Kooperation ein: Er hat sich mit Hermann Sendele (64) zusammengeschlossen, einem Headhunter aus der ersten Liga. Die beiden Senioren legen jetzt noch einmal richtig los. 19 Partner in Europa und den USA gehören zu der unter Federführung von Sendele 2003 gegründeten Board Consultants International, weitere Kombattanten sollen dazu stoßen.

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