Freitag, 14. Dezember 2018

Trumpf-Chefin Eine Frau mit Haltung

Sie glauben nicht mehr an das Gute im Menschen? Dann besuchen Sie Nicola Leibinger-Kammüller. Die neue Chefin von Trumpf, lebt die pietistisch geprägte Unternehmenskultur des größten europäischen Herstellers für Werkzeugmaschinen: beispielhaft zurückhaltend, bescheiden, integer.

Sie könnte einen Stammplatz bei Sabine Christiansen haben. Als Vorzeigeunternehmerin aus einem Vorzeigeunternehmen. Oder in der Runde von Maybrit Illner erläutern, wie man in diesen Zeiten zweistellige Wachstumsraten beim Umsatz schafft. Oder bei "Mona Lisa" auftreten - als Mutter von vier Kindern, die eine Firma mit 6100 Mitarbeitern führt.

Die neue Trumpf-Chefin: Uneitel, humorvoll, charmant
Frank Bauer
Die neue Trumpf-Chefin: Uneitel, humorvoll, charmant
Tut sie aber nicht. "Ich werde ja nicht an meinen Medienauftritten gemessen, sondern an meiner Arbeit", sagt Nicola Leibinger-Kammüller (46), die neue Chefin von Trumpf, einem der erfolgreichsten inhabergeführten Unternehmen Deutschlands.

Zudem: Die erwähnten Sendungen hat sie noch nie gesehen. Fernsehen? "Das erspar' ich mir seit Jahrzehnten." Um sich zu informieren, liest sie zwei, drei Zeitungen am Tag, hört Radio beim Autofahren. "Das reicht."

Im schwäbischen Ditzingen läuft vieles anders als anderswo. Das war schon bei Berthold Leibinger so, dem Vater von Nicola Leibinger-Kammüller, dem schwäbischen Paradeunternehmer, einer Ikone des Mittelstandes.

Jetzt hat der Patriarch, den man verdächtigte, an seinem Stuhl zu kleben, mit 75 Jahren den Stab weitergereicht; aber zum Erstaunen aller nicht an seinen Sohn oder Schwiegersohn. Sondern an seine Tochter. Ein Coup! "Mich hat das lange beschäftigt", gibt er zu, "wir haben wohl geratene Kinder und daher das Problem, dass wir zu viele und nicht zu wenige geeignete Führungspersönlichkeiten in der Familie haben."

Alle drei hätten es seiner Meinung nach gekonnt. Peter Leibinger (38), der Sohn, der seit seiner Rückkehr aus den USA die wichtige Sparte Lasertechnik verantwortet, genauso wie Mathias Kammüller (47), der Schwiegersohn, der den Werkzeugmaschinenbereich leitet.

"Beide hervorragende Ingenieure", sagt Leibinger. Gewählt aber hat er Nicola, die Leiterin der Unternehmenskommunikation und Geschäftsführerin der Berthold Leibinger Stiftung, die sich unter anderem der Förderung von Kirchenmusik und der Renovierung von Gotteshäusern verschrieben hat.

© manager magazin 1/2006
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