Sonntag, 24. März 2019

Goldman Sachs Der Geist des Hauses

Die US-Investmentbank Goldman Sachs gilt als eine der ersten Adressen für Topabsolventen. Die Möglichkeiten bei dem Nobelhaus sind enorm - die Anforderungen ebenfalls. Eine Inside-Reportage.

Am Mittwoch, dem 12. Januar 2005, nahm Christoph Stanger (39) für den Weg von seinem Haus in Kensington zum Büro in der Fleet Street ausnahmsweise ein Taxi.

Hauptquartier der Hochfinanz: In der Broad Street 85, in der Nähe der New Yorker Börse, befindet sich die Zentrale von Goldman Sachs
Für jenen regnerischen Morgen nämlich plante Stanger, Experte für Finanzierungsfragen deutscher Unternehmen bei der Investmentbank Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, eine Aktion, die im Branchenjargon "das Feuerwerk abbrennen" heißt: Er wollte hunderte von Aktienverkäufern in Goldman-Büros in ganz Europa in Marsch setzen, um eine große Transaktion abzuwickeln - die Platzierung von rund einem Viertel des gesamten Aktienbestandes des Münchener Mischkonzerns MAN Börsen-Chart zeigen.

Um 6:30 Uhr lief die Ad-hoc-Meldung über die Ticker. Unmittelbar danach begannen die Verkäufer, potenzielle Investoren anzurufen.

Schon am späten Vormittag schloss Stanger die Bücher: Die Aktientranche im Wert von einer Milliarde Euro war zweimal überzeichnet, der MAN-Kurs lag nur 2 Prozent niedriger als am vorangegangenen Handelstag - und damit über dem Preis, den Goldman Sachs den verkaufswilligen Großaktionären Allianz Börsen-Chart zeigen, Münchener Rück Börsen-Chart zeigen und Commerzbank Börsen-Chart zeigen garantiert hatte. Das "Feuerwerk" war spektakulär abgebrannt.

Es gibt nicht viele Investmentbanken, die einen solchen Coup mit der nötigen Präzision ausführen können. Aber Christoph Stanger arbeitet ja nicht bei irgendeiner Investmentbank. Er arbeitet für Goldman Sachs.

Das vor 136 Jahren in New York gegründete Geldhaus, eine der Big-Five-Investmentbanken der Wall Street, ist berühmt dafür, smarte Ideen zu entwickeln, sie aggressiv zu vermarkten - und am Erfolg exzellent zu verdienen.

Goldman Sachs ist ein Mythos. Keine andere Firma der Branche kann ihren Mitarbeitern so viel Prestige bieten. Nirgendwo sonst wird ähnlich gefördert und gefordert. In Arbeitgeber-Rankings landet die Bank regelmäßig auf den vordersten Plätzen.

Ihren weltweiten Spitzenrang in der Beratung bei Übernahmen und Fusionen, im Handel mit Aktien, Anleihen und Derivaten, bei der Initiierung von Börsengängen und anderen Kapitalmarkttransaktionen verdankt Goldman Sachs vor allem einem Aktivposten: den Mitarbeitern. Ohne sie wäre der Konzern kaum bei fast jeder wichtigen Transaktion in Deutschland dabei.

© manager magazin 11/2005
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