Freitag, 14. Dezember 2018

Goldman Sachs Der Geist des Hauses

7. Teil: Generationsvertrag in eigener Sache

Die elitäre Riege ist international besetzt. Im Management Committee finden sich zwei Briten, ein Italiener, ein Kanadier und ein Japaner. Nationalität spielt bei Goldman Sachs keine Rolle: Jan Hatzius etwa, der für die USA zuständige Chefvolkswirt, ist Deutscher.

Ex-Manager in die Politik:
Co-Seniorpartner Robert Rubin diente als Finanzminister unter Bill Clinton
Partner erhalten ein ansehnliches Aktienpaket sowie ein Basisgehalt von 600.000 Dollar im Jahr (in Europa 400.000 Euro). Obendrauf gibt es einen jährlichen Bonus aus Aktien und Bargeld, der sich an der persönlichen Leistung, am Ergebnis des Geschäftsbereichs sowie der gesamten Bank orientiert. Am Ende kommt leicht ein siebenstelliges Salär dabei heraus.

Trotz des vielen Geldes - ewig halten die wenigsten den Stress aus, permanent Höchstleistungen bringen zu müssen. Rund die Hälfte der Mannschaft ist weniger als fünf Jahre dabei. Nur ein Bruchteil schafft die zehn Jahre bis zur Partnerwahl. Die Partner steigen nach weiteren sechs bis acht Jahren, meist im Alter von Mitte 40, aus.

Es gehört dabei zur Philosophie des Hauses, dass die Partner sich selbst überflüssig machen. Zwei eiserne Regeln kennzeichnen die Personalpolitik:

  • ein ausgeklügeltes Mentoring; kein Mitarbeiter steigt auf, wenn er vorher nicht einen Nachfolger für die eigene Position aufgebaut hat;


  • ein Generationsvertrag in eigener Sache; der Comment der Firma verlangt, dass die Älteren ihre Plätze frei machen, wenn die Jüngeren so weit sind.
Viele Goldman-Veteranen starten dann eine zweite Karriere. Paul Achleitner (49), erster Deutschland-Chef von Goldman ohne amerikanischen Pass, sitzt heute im Vorstand der Allianz. Nachfolger Timothy Plaut (49) besann sich auf sein Kunstgeschichtsstudium und handelt in London mit Antiquitäten.

In den USA wechseln Ex-Manager in die Politik oder die Wissenschaft. Co-Seniorpartner Robert Rubin (67) diente als Finanzminister unter Bill Clinton. Ex-Seniorpartner John Thornton (51) ist heute Professor in Peking.

Ein kürzlich gegründetes internetbasiertes Alumni-Netzwerk lässt die Ex-Goldmänner Kontakt mit der Firma halten. Jedes Jahr wird zum festlichen Dinner geladen, zuletzt ins British Museum.

Christoph Stanger, der Finanzierungsexperte in London, hat noch keinen Gedanken an Ehemaligenfeiern verschwendet. Er hofft wie jedermann darauf, bei Goldman Sachs weiterzukommen: "Dafür ist man ja hier." Und verschwindet schleunigst zum nächsten Termin.

© manager magazin 11/2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH