Donnerstag, 19. Oktober 2017

Bertelsmann Stiftung Debakel in Gütersloh

Geht im mächtigsten Think-Tank der Republik alles mit rechten Dingen zu? Zweifel sind erlaubt. Entkräftet und zermürbt gibt Stiftungschef Heribert Meffert auf. Hintergründe eines Rücktritts.

Anders als ein Eisenbieger oder die Bertelsmann Matriarchin Liz Mohn (64) verfügt Heribert Meffert (68), genannt "der Marketingpapst", nur über ein vergleichsweise sanftes Naturell. Bei Auseinandersetzungen vertraut der emeritierte Professor ausschließlich seinem Grips. Der ist zwar keine ungefährliche Waffe, und Meffert geht auch nicht zimperlich mit ihr um. Mit Ränken, Arglist und Manövern freilich hat der Mann so seine liebe Not. Neuerdings besonders.

Bertelsmann: Zentrale in Gütersloh
In zwei Jahren ist er 70, und sein Arzt hat ihn nach einem im Winter erlittenen Infarkt des linken Auges alarmiert, dass Aufregung seinem Zustand wenig förderlich sei.

Und so entschloss sich der Münsteraner Gelehrte, gesundheitlich angeschlagen, dazu strategisch entkräftet und zermürbt von den Zuständen an seinem Arbeitsplatz, diesen so schnell wie möglich zu verlassen.

Ende Dezember, 20 Monate früher als geplant, quittiert er seinen Dienst an der Spitze der Bertelsmann Stiftung, der mächtigsten Unternehmensstiftung des Landes. Für die Gütersloher Anstalt, wo das Räsonieren über Führung seit jeher wichtiger war als Führung selbst, ist es ein Debakel - für ihn, Meffert, das freudlose Finale einer langen Karriere.

Dabei hatte er, nach zäher Eingewöhnungsphase, zuletzt ansprechende Leistungen gezeigt und seinen Vertrag sogar übermütig bis August 2007 verlängert. Dann sollte ihn der Bertelsmann-Souverän Gunter Thielen (62) ablösen.

Gern hätte der Weise aus dem Münsterland seinen Vertrag erfüllt. Doch am Ende mochte er sich nicht mehr mit der Reform einer Organisation plagen, die nicht allein den Gesetzen kühler Logik gehorcht, wie Meffert sie schätzt, sondern dem flackernden Hin und Her von Launen und Eitelkeiten.

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