Freitag, 16. November 2018

Bertelsmann Stiftung Debakel in Gütersloh

4. Teil: "Schönheitsfehler"

Tatsächlich scheint Weidenfeld über facettenreiche Spesenerfahrungen zu verfügen. So ist der Mann, der "die Großen und Mächtigen der Welt" ("Abendzeitung") berät, auch Vorsitzender des Abt-Herwegen-Instituts am Kloster Maria Laach, was ein netter Posten ist.

Sonderrechte für die Stiftergattin: Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn pocht auf ihre Privilegien und beansprucht einen Sitz sowohl im Vorstand als auch im Kuratorium der Bertelsmann Stiftung
Als der Politberater vom 24. bis 26. September die Jahrestagung seines Instituts beehrte, ließ er sich Reisekosten (Flug plus An- und Abfahrt) von der Stiftung bezahlen: geprüft und abgerechnet von der Finanzbuchhaltung am 4.11.2004 ("Kostenstelle 103/008"). Angeblich weil er Projektergebnisse der Bertelsmann-Stiftung vermitteln wollte.

Die sind ihrer Natur nach allerdings so vage ("Geistige Orientierung"), dass sich - beispielsweise unter dem Bewirtungsanlass "Internationale Verständigung" - praktisch überall auf der Welt Spesen erwirtschaften lassen, auch an Weidenfelds Urlaubsort Timmendorf - was tatsächlich geschehen ist.

Dass sich eine gemeinnützige, steuerbegünstigte Stiftung dafür zuständig fühlt, ist erstaunlich.

Ende April, aus Leichtsinn oder beschwingt durch das, was Freud den Todestrieb nannte, redete sich Meffert in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" noch etwas anderes von der Seele: Es wirke wie ein "Schönheitsfehler", dass Liz Mohn weiterhin sowohl im Vorstand als auch im Kuratorium säße.

Liz Mohn, die in Konzern und Stiftung herumgrapscht wie andere Damen in ihrer Handtasche, nahm die Worte ohne Vergnügen zur Kenntnis. Meffert, noch einsamer als vorher, gab auf. Er verabschiedete sich mit einer kämpferisch hochwertigen Darbietung. Die Damen und Herren sind nun wieder unter sich.

© manager magazin 8/2005
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