Freitag, 16. November 2018

Porsche-Clan Die stille Macht

Ein Mythos, zwei Familienstämme, 13 Milliarden Euro Umsatz: Ein diskreter Clan steuert ein sagenhaft erfolgreiches Autoimperium. manager magazin sagt, wie die Porsches und die Piëchs im Stillen ihr Reich noch vergrößern. Das Porträt einer PS-Dynastie.

Der Weg führt über holprigen Asphalt. Ein Bahngleis kreuzt die Straße und hebt die Autoinsassen aus den Sitzen. Die letzte Kurve, dann reckt sich ein rundes Hochhaus in den Bukarester Vorstadthimmel: Der gläserne Turm umschließt die Zentrale von "Porsche Romania". Gleich nebenan bietet die rumänische Niederlassung des Salzburger Autohandelshauses Porsche Holding auf rund 30.000 Quadratmetern sämtliche VW-Konzernmarken und Porsche-Karossen feil.

Der Mächtige und sein Manager: So erfolgreich Wendelin Wiedeking (l.) die Porsche AG auch lenkt, am Ende entscheiden Ferdinand Piëch und der Rest der Autosippe
Selbst am östlichsten Zipfel des Porsche-Reiches wabert der Gründergeist durch die Gänge. Im dunklen Holzrahmen wacht ein Mann mit kräftigem Kinn und dichtem Schnauz über das Geschehen, ein wenig müde dreinschauend: Es handelt sich um Ferdinand Porsche, den Schöpfer des VW Käfers, den Genius des neuzeitlichen Automobils, den Urahn einer Dynastie.

Ein Mythos kennt eben keine Grenzen. Und ein Mythos macht auch vor den Schranken der Scham selten Halt.

In der Stuttgarter Messe, auf der Hauptversammlung der Porsche AG Börsen-Chart zeigen, umdrängen die Aktionäre einen Mann mit dichtem Schnauz und kräftigem Kinn, manchmal ein wenig schläfrig wirkend wie ein Bär nach zu langer Winterpause. Er schreibt sein Autogramm auf die Geschäftsberichte: Es handelt sich um Wendelin Wiedeking (52), den Chef des Sportwagenherstellers. Wieder einmal kann er sich für ein Rekordjahr der Porsche AG feiern lassen.

Zwischen Bukarest und Stuttgart liegen Autowelten und fast 1500 Kilometer. Und doch ist alles Porsche: der Händler aus Österreich wie der schwäbische Hersteller.

Ein schillerndes Imperium von zusammen rund 13 Milliarden Euro Umsatz, eine der wertvollsten Marken der Welt, der profitabelste Autohersteller auf dem Globus, der größte Autohändler Europas. Was steckt hinter dem gigantischen Erfolg?

Sicher, mit dem Namen Porsche verbindet sich zuallererst ein glamouröses Produkt mit unverwechselbarem Design und krachender Motorik. Ein sterbensschönes Vehikel, das einst die Filmlegende James Dean lebensbeendend aus der Kurve trug. In Wahrheit sind es jedoch vor allem die Eigentümer, die das Faszinosum begründen. Zwei rivalisierende Familienstämme, die Porsches und die Piëchs, halten zwei Unternehmen mit unterschiedlichen Kulturen zusammen: die Porsche AG und die Porsche Holding.

Es ist ein historisch gewachsenes, zerbrechliches Gefüge, das auf Vertrauen und Einvernehmen beruht, aber vor allem auf vielen Verträgen und juristischer Absicherung.

© manager magazin 6/2005
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