Dienstag, 26. März 2019

Altersvorsorge Das Gesetz der großen Zahl

5. Teil: "Die meisten sind überfordert"

Lebt er noch, oder spart er nur? Die Antwort kommt zuerst zögernd. "Klar, ich würde auch gern jedes Wochenende weggehen, feiern und mir neue Klamotten kaufen. Aber ich bin nun mal sicherheitsorientiert, das war ich immer schon. Ich koste mein Leben später aus, wenn ich meine Ziele erreicht habe."

Später Ruhestand: Bei einer Wunschrente von monatlich 2500 Euro muss Olaf Schröder (im Bild mit Lebensgefährtin und Kind) aus heutiger Sicht bis 70 arbeiten
Lars Ternes
Später Ruhestand: Bei einer Wunschrente von monatlich 2500 Euro muss Olaf Schröder (im Bild mit Lebensgefährtin und Kind) aus heutiger Sicht bis 70 arbeiten
Versicherungsvertreter stehen in dem Ruf, Provisionen zu schinden. Bei den Banken wird Finanzplanung allenfalls der gehobenen Klientel zuteil. "Besserverdiener ohne große Reserven fallen durchs Raster", weiß Stephan Schüller (52), Ex-Vorstand der Vereins- und Westbank und Aufsichtsratsvorsitzender von Loyas.

Olaf Schröder (48) ist so einer, auf den Banken und Versicherungen allenfalls mal punktuell aufmerksam wurden. Vor eineinhalb Jahren hat sich der studierte Psychologe als Bildungsconsultant selbstständig gemacht. Seither berät er Firmen wie DaimlerChrysler, die ihre Mitarbeiter mit elektronischen Medien effizienter schulen wollen.

Von seinem Verdienst - derzeit rund 80.000 Euro brutto im Jahr - lebt Schröder mit Lebensgefährtin und Sohn nicht schlecht. Ein nennenswertes Vermögen hat er bislang allerdings nicht aufgebaut. Bankenberater und Versicherungsvertreter hat er in den vergangenen Jahren weiträumig umfahren.

Die Annäherung an die finanziellen Realitäten der künftigen Rentenwelt übernahm jetzt Finanzplanerin Ehrich: Nach heutigem Stand müsste Schröder bis 70 weiterarbeiten. Früher schafft er es nicht, das nötige Kapital für den Ruhestand - rund eine Million Euro, die eine monatliche Rente von gut 2500 Euro abwerfen sollen - anzusparen. Der Psychologe hat mit diesen Aussichten kein Problem. "Mein Job macht mir viel Spaß. Und wenn ich bis 70 Geld verdiene, komme ich doch gut zurecht."

Gas geben muss er trotzdem. Ungefähr 800 Euro sollte er künftig im Schnitt monatlich zurücklegen. Schröder startet mit 600, will aber auf 1000 Euro oder mehr aufstocken, wenn das Geschäft noch besser läuft.

Lars TernesIn seiner Altersgruppe ist Heß die Ausnahme. Parallel zum Studium arbeitete er bei der Allianz und hantiert deshalb ziemlich sicher mit den verschiedenen Anlageformen und Versicherungen. Freunde und Bekannte nutzen seine Expertise. In diesen Gesprächen ist ihm eines klar geworden. "Die meisten sind mit dem Thema völlig überfordert. Sie wissen nicht, wie sie an eine vernünftige Beratung herankommen sollen."

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