Freitag, 16. November 2018

Hinrich Bischoff Phantom der Rollbahn

Ferienflugpionier, Leasingkönig, Branchenschreck - Germania-Eigner Hinrich Bischoff hat viel erreicht. Vor allem dies: unerkannt und unberechenbar zu bleiben.

Treffen sich zwei Geschäftsleute der Reisebranche am Flughafen. Prahlt der eine, er sei mit dem Privatjet gekommen. Zieht der andere triumphierend ein Ticket aus der Tasche: "Lufthansa. Stand-by für nur noch 10 Prozent."

Nur nicht auffallen: Airline-Krösus Hinrich Bischoff
Der Mann mit dem billigen Billett ist Hinrich Bischoff in einer verbürgten, typischen Episode. Keiner in der deutschen Luftfahrt und Touristik nimmt es mit seiner Knauserigkeit auf. Und keiner überbietet ihn an schillernder Exotik.

Hinrich Bischoff ist - um nur mal ein paar Eigentümlichkeiten zu nennen - ein Skatbruder des Bundeskanzlers, war Arbeitgeber des früheren DDR-Staatschefs Egon Krenz, jagt leidenschaftlich nach alten Gemälden, arbeitete gleichzeitig als Anwalt, Kunstsachverständiger und Manager.

Vor allem aber zählt er zu den ausgebufftesten Unternehmern des Landes. Rund um seine Charterfluglinie Germania schuf er ein veritables Imperium. Kenner schätzen sein Vermögen auf 400 bis 500 Millionen Euro.

Nicht zu vergessen seine Leistung, trotz Glanz und Geld unbekannt geblieben zu sein. Hinrich Bischoff gebärdet sich, als sei er der dritte Aldi-Bruder. Sogar aus seinem Alter macht er ein Geheimnis. So kommt es, dass das "Handelsblatt" ihn kürzlich als 58-jährig bezeichnete. Tatsächlich war er bereits zehn Jahre reifer.

Mit der Presse redet er eigentlich nur, um sie abzuwimmeln ("Was wollen Sie? Es gibt nichts Neues!"); um sie mit Dementis zu verwirren, kurz bevor alles herauskommt; oder um ihr zweifelhafte Angebote zu machen: "Wenn Sie nichts schreiben, schließe ich Sie in mein Nachtgebet ein."

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