Freitag, 16. November 2018

Hinrich Bischoff Phantom der Rollbahn

5. Teil: Mauerfall als persönliche Wende

Da schritt Lufthansa-Chef Heinz Ruhnau ein. Er bot dem lästigen Konkurrenten an, die designierten Linienjets - zwei Boeings - langfristig zu leasen. Bischoff schlug gern ein.

Vereinte Kraft: Wöchentliches Sitzplatzangebot der Lufthansa-Konkurrenten
Die beiden Flugzeuge schob Ruhnau an die Konzerntochter Condor weiter. Die Manager der Charterlinie "ärgerten sich giftig", wie ein ehemals Verantwortlicher berichtet, konnten sich der Gabe aber nicht erwehren. Später stockte Germania die Lufthansa-Flotte sogar noch um zwei weitere Maschinen auf.

Auch bei seinem Dauerkunden Tui war Bischoff hartnäckig. Als Tui-Chef Michael Frenzel in der Flaute 2002 einen Leasingvertrag mit Germania kündigen wollte, tauchten tückische Klauseln im Kontrakt auf. Am Ende blieb ihm kaum eine andere Wahl, als Bischoff weiterzubeschäftigen. Germania stellt seither acht Boeings, vier davon mit Besatzung, für die Tui-Billigfluglinie Hapag-Lloyd Express.

Mit keinem aber hat er sich so hingebungsvoll beharkt wie mit der Lufthansa. Er warb Ruhnau den Chefstrategen ab, den aus Oman stammenden Mustafa Muscati. Er schnappte der Lufthansa und Condor eine Beteiligung am Stuttgarter Reiseveranstalter Hetzel weg. Drei Jahre darauf ließ Bischoff den Veranstalter ebenso schnell entschlossen fallen. Hetzel ging Pleite, Condor - der Hauscarrier - verlor einen wichtigen Kunden.

Im Streit um den so genannten Beamtenshuttle trieb Bischoff Ruhnaus Nachfolger, Jürgen Weber, zur Weißglut. 1992 ergatterte er den Bundesauftrag für die Strecke Berlin - Köln/Bonn, verteidigte ihn bei einer Neuausschreibung durch ein überraschendes Bündnis mit der Deutschen BA. Als die Lufthansa schließlich mit Kampfpreisen auf der Route antrat, schaltete Bischoff erfolgreich das Bundeskartellamt ein.

Die Wiedervereinigung nutzte der Germania-Boss für eine persönliche Wende. Er erfand sein Unternehmen neu. Die Zentrale verlegte er von Köln nach Berlin, die Belegschaft rekrutierte er neu. Das Gros seiner Mitarbeiter stammt nun aus den neuen Bundesländern, darunter ehemalige Interflug-Piloten und DDR-Militärs.

© manager magazin 4/2005
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