Freitag, 30. September 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Müller-Milch Der Polterpatriarch

Dem Steuerasylanten Theo Müller wurde es in der Schweiz zu langweilig. Er kam zurück und vertrieb die Topmanager reihenweise. Der Starrsinn des Joghurt-Moguls droht sich gegen sein Lebenswerk zu richten.

Theobald - kurz Theo - Müller senior (65) liebt es handfest; das gilt sowohl für seine Worte als auch für seine Taten.

Self-Made Man: Theo Müller übernahm Anfang der 70er Jahre von seinem Vater eine Minimolkerei mit lediglich vier Mitarbeitern.
Der Alleingesellschafter des Joghurtimperiums Müller-Milch (Molkerei Alois Müller, Weihenstephan, Sachsenmilch) greift schon mal höchstpersönlich Fotografen an, wenn sie Demonstranten vor seinem Firmengelände aufnehmen.

Er beglückwünscht seine Werkschützer, wenn sie mit dem Strahl aus einem Feuerwehrschlauch ein paar "Schurken von Greenpeace" einnässen.

Eigenfäustig vertrieb der vierschrötige Schwabe einst zwei Dunkelmänner, die auf einer Landstraße seinen Mercedes 600 angehalten hatten und den Milliardär entführen wollten.

Wer sich mit Müller anlegt, braucht Kraft - oder wenigstens Ausdauer und starke Nerven. Deutschlands größter Milchmann geht keinem Streit aus dem Weg; er gilt als unbeherrscht, seine Ausbrüche sind allseits gefürchtet.

Wenn er Misshelligkeiten nicht auf Müllers Art - schnell, einfach, direkt - beseitigen kann, schickt er Juristen vor. Gerichtlich bekriegt er sich mit fast jedem, der ihm unbotmäßig kommt: etwa mit den Ökoaktivisten von Greenpeace, die ihm den Vertrieb von "Genmilch" vorwerfen; oder mit seinem einstigen Werbeträger Dieter Bohlen, der sich erfrechte, Buttermilchtrinkerinnen als "50-jährige alternative Biolatschenträgerinnen" zu verspotten; oder aber mit einem früheren Vorstand der Tochter Weihenstephan, den Müller nach zwei Monaten geschasst hatte und der seine Abfindung über vier Jahre bis hin zum Bundesgerichtshof einklagen musste. Im Jahr 2004 bekam er eine Million Euro zugesprochen.

Müllers eiserner Wille - manche sprechen von Sturheit - half ihm, binnen drei Jahrzehnten aus der vom Vater ererbten Minimolkerei im bayerischen Schwabenland ein Imperium zu formen, dessen 4500 Beschäftigte jährlich 2 Milliarden Liter Milch verarbeiten und 1,9 Milliarden Euro umsetzen. Seine Werbesprüche ("Alles Müller oder was?") wurden zu Klassikern, seine Produkte ("Müller-Milch", "Joghurt mit der Ecke", "Froop") kennt fast jeder Deutsche.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 4/2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH