Donnerstag, 25. Mai 2017

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Sinnsuche Wofür wir arbeiten

Wenn Geld und Status nicht glücklich machen - wozu dann der ganze Stress um die Karriere? manager magazin gibt Ihnen eine Anleitung zu mehr Erfüllung im Job.

"Aufstehen, Straßenbahn, Büro, Essen, Arbeit, Essen, Schlafen, Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag,
immer derselbe Rhythmus - das ist sehr lange ein bequemer Weg. Eines Tages aber steht das Warum da, und mit diesem Überdruss, in den sich Erstaunen mischt, fängt alles an."
Albert Camus, "Der Mythos von Sisyphos"


Eines Tages vor drei Jahren stellte sich der Schweizer Swissair-Manager Rolf Dobelli, er war gerade 35 geworden, eine einfache Frage: Was gefällt mir am besten an meinem Job? Er fand keine Antwort.

Sinn und Haben: Wofür arbeiten wir eigentlich - jenseits von Geld und Status? Anleitung zu einem erfüllteren Berufsleben.
Also änderte er die Frage: Was gefällt mir überhaupt an meinem Job? Worauf er zu dem Schluss kam: Nichts Spezielles. Eigentlich gar nichts.

Dobelli setzte sich hin und schrieb zwei Sätze aufs Papier, die ihm gerade in den Sinn kamen und auf Anhieb einleuchtend und richtig erschienen: "Die meisten Menschen sind irgendwie und irgendwo in einen Beruf hineingefallen - wie auf einen dummen Scherz. Und nun finden sie ihn spannend oder nicht."

Das war das Ende von Rolf Dobellis Angestelltenkarriere. Er kündigte seinen Job als Chef einer Swissair-Tochter und gründete die Firma, von der er schon immer geträumt hatte: GetAbstract, ein Internetunternehmen, das Zusammenfassungen von Wirtschaftsbüchern vertreibt.

Und weil ihm nach den ersten beiden Sätzen noch zahlreiche weitere über die Welt der Manager einfielen, machte er einen Roman draus und dann einen zweiten und ist heute einer der Shootingstars der Schweizer Literaturszene.

So weit kann es kommen, wenn jemand sich die Frage erlaubt, wozu und wofür er eigentlich arbeitet. Warum das alles hier erzählt wird? Weil der Diogenes Verlag schon mehrere zehntausend Exemplare von Dobellis Debüt verkauft hat. Auch der zweite Roman entwickelt sich zum Bestseller.

Sollten sich also mehr Menschen, sollten sich Manager mit der Ahnung plagen, dass die Droge Karriere bei ihnen nicht mehr wirkt? Stellt sich der eine oder andere gar die Frage: Warum tue ich mir diesen Job bloß an?

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