Mittwoch, 28. Juni 2017

Konsum Aldi trifft Gucci

7. Teil: Discount boomt, Luxus auch

Aber auch Meggle musste lernen, dass der hybride Konsument mehr erwartet als leblose Produktfriedhöfe. Die neuen Cartier-Shops locken mit Sesseln, einer Bibliothek, Kaffee und Gebäck und setzen damit auf das Bedürfnis der Selektiven, Einkauf zum Erlebnis zu machen. Das reicht aber noch nicht. Mit Einsteigerangeboten für Accessoires ab 200 Euro will Meggle deshalb verstärkt junge Kunden gewinnen.

Ebay: Spielerische Form des Konsums
Indem andere Luxusartikler wie Burberry ebenfalls preiswertere Versionen für neue Käuferschichten entwickeln, entsteht ein neuer Luxusmarkt, den Buchautor Bosshart als "Mastige" bezeichnet, eine Kreuzung aus "Mass" und "Prestige": Ein Premiummarkt, preislich knapp unter dem traditionellen Luxussegment, der an die wichtigsten Ansprüche der Selektiven appelliert: das Bedürfnis nach persönlichem Stil und den Wunsch, sich etwas Gutes zu tun. Wer hier wie "Victoria's Secret" passende Produkte anbietet, hat beste Chancen.

Das neue Luxussegment zeigt: Die gleichzeitigen Erfolge von Discount und Luxus sind zwei Seiten desselben Phänomens - bei Grundbedürfnissen sparen, um sich anderswo mehr leisten zu können. Freitagmorgen am Flughafen Köln-Bonn, kurz vor zehn.

Drüben, wo die teureren Lufthansa-Flüge boarden, gibt es einen Burger King. Hier, auf dem Weg zum Gate der Billiglinie Germanwings, hat sich der Sylter Feinkosthändler Gosch angesiedelt. Das Ticket für den Flug 4U-424 nach Nizza gibt es ab 19 Euro - da bleibt Geld übrig für den kleinen Luxus zwischendurch.

12 Prozent der Germanwings-Passagiere sind zwar Studenten - aber 40 Prozent sind Selbstständige und leitende Angestellte. 17 Prozent verfügen über ein Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 5000 Euro - und genauso viele über eines von weniger als 1000 Euro. "Unsere Kunden achten sehr genau aufs Geld - auch die, die es gar nicht nötig hätten", sagt Germanwings-Vice-President Andreas Bierwirth.

Der hybride Konsument hat den Anspruch, für bestimmte Dinge nur das unbedingt Nötigste zu zahlen, bereits so weit ausgedehnt, dass so manche Firma unter Discounter-Flagge segelt, obwohl sie keiner ist.

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