Freitag, 23. Februar 2018

Gehaltspoker "Bescheidenheit zahlt sich nicht aus"

Gehaltscoach Martin Wehrle über die besten Tricks und die größten Fehler beim Poker um mehr Geld.

mm:

Herr Wehrle, viele Unternehmen leiden unter der schlechten Konjunktur. Hat man derzeit überhaupt eine Chance, mehr Gehalt zu bekommen?

  "Führen Sie ein Leistungstagebuch":  Verhandlungsfachmann Martin Wehrle
Astrid Doerenbruch
"Führen Sie ein Leistungstagebuch": Verhandlungsfachmann Martin Wehrle
Wehrle: Da muss man genau hinhören. Sagt Ihr Chef, dass er Ihnen ja gern mehr zahlen würde, aber die Geschäftslage einfach zu schlecht sei, hören viele nur das "aber".

Sie müssen aber auf das "Ja" achten. Vereinbaren Sie mit Ihrem Vorgesetzten Kriterien für eine Gehaltserhöhung. Wenn sich die Geschäftslage bessert, treten Sie damit erneut an ihn heran.

mm: Die schlechte Wirtschaftslage ist also kein Grund, passiv zu bleiben?

Wehrle: Ich sage meinen Kunden immer, dass sie nicht schlecht bezahlt werden, sondern sich schlecht bezahlen lassen. Die meisten Mitarbeiter äußern ihre Gehaltsforderung erst, wenn die Frustration zu groß wird.

Aber mit Wut im Bauch lässt sich wenig erreichen. Ich rate, weniger emotional in die Verhandlung zu gehen. Für Ihren Chef ist es eine rein geschäftliche Angelegenheit, und so müssen Sie es auch betrachten.

mm: Kann Bescheidenheit denn nicht vorteilhaft sein, weil ein niedriges Gehalt eher vor der Kündigung schützt?

Wehrle: Das ist ein großer Irrtum. Den Mitarbeitern mit dem höchsten Gehalt müssen die höchsten Abfindungen gezahlt werden. Als Erste müssen daher die Angestellten mit niedrigen Gehältern das Unternehmen verlassen.

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