Samstag, 23. März 2019

Karlheinz Kögel Der Last-Minute-Mann

5. Teil: "Geschäfte sind wie die Fliegerei"

Vor zwölf Jahren schuf er ansatzlos den so genannten "Deutschen Medienpreis". Die Auszeichnung - undotiert, jährlich verliehen für Verdienste um Soziales und den Weltfrieden - wäre keiner Erwähnung wert, hätte Kögel sie nicht zur schillerndsten Trophäe des Landes hochgejazzt.

Rätselhafte Buddy-Verbindung: Kögel (l.) lief US-Alt-Präsident Bill Clinton für den "Deutschen Medienpreis" lange hinterher
Zu den Preisträgern zählten Helmut Kohl, Boris Jelzin, Gerhard Schröder, Nelson Mandela, die Königinnen Rania von Jordanien und Silvia von Schweden sowie zuletzt Kofi Annan. Noch erstaunlicher: Alle kamen zur Prämiierung ins Kongresshaus nach Baden-Baden.

Nur Bill Clinton blieb fern. Kögel setzte ihm nach, antichambrierte, ergatterte schließlich eine Zwölf-Minuten-Audienz im Weißen Haus und wurde dort den Preis doch noch los.

Die Mühe hat sich gelohnt. Mit dem Ex-Präsidenten der Vereinigten Staaten verbindet ihn seither eine rätselhafte Buddy-Verbindung. Sie sehen einander alle paar Monate und sind einander nützlich. Amateurpilot Kögel fliegt Clinton mit seinem neunsitzigen Privatjet, wenn der mal in Europa zu tun hat. Auch Hillary aerochauffierte er anlässlich ihrer Buchtournee. Clinton revanchiert sich, lädt Kögel ein, wenn er etwa in Washington sein offizielles Ölbild einweihen darf.

Die Promi-Parade in Baden-Baden kommt den Ausrichter teuer. Seine Media Control trägt die Kosten allein, zusätzliche Sponsoren will er nicht.

Was er davon hat? Der Impresario beteuert edle Motive. Tatsächlich hat er wohl eine soziale Ader. Jahrelang fuhr er ehrenamtlich in Baden-Baden den Rote-Kreuz-Rettungswagen. Nutzen zieht er trotzdem daraus. Die Gala stärkt sein Netzwerk und verschafft ihm ersehnte Achtung. Einen Tisch hält der L'tur-Chef stets für Geschäftspartner aus der Touristik frei, für Tui-Lenker Michael Frenzel (57) etwa oder Lufthansa-Patron Jürgen Weber (62).

57 ist Kögel jetzt - Zeit, seine Nachfolge zu planen? "Damit beschäftige ich mich nicht", blockt er ab. Sein Ältester sei zwar auf Salem, der Eliteschule. Der aber solle lieber mal was Eigenes aufbauen. An die Tui verkaufen könnte der Gründer, die Option steht im Vertrag. Daran mag er gar nicht denken. "Es geht immer weiter", hofft Kögel.

Bloß wie? Die besten Lehren, behauptet der Hobbypilot, finde man in der Fliegerei. "Wie im Geschäft gibt es immer drei Phasen: Steigflug - Reiseflug - Sinkflug." Karlheinz Kögel will sich die Wolken noch möglichst lang von oben ansehen.

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