Samstag, 18. August 2018

Management Milliardengrab Einkauf

Die meisten Unternehmen verschleudern bei der Beschaffung enorme Summen - und merken es oft nicht einmal. Würden sie ihren Einkauf straffen, könnten die Ausgaben drastisch sinken. Deutschlands Chefeinkäufer - die Missmanager der Republik?

Die Analysten der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen in Frankfurt brauchen neue Schreibtischstühle. Also besorgt der Einkäufer Sessel beim Bürohändler seines Vertrauens.

In der Filiale in Hannover sind Kaffee und Kekse ausgegangen. Also geht die Sekretärin in den Feinkostladen um die Ecke, Nachschub holen.

Die Investmentbanker in London benötigen Handys. Also besorgen sie die Geräte, die ihnen gerade gefallen.

In Deutschlands größtem Finanzkonzern ist die Beschaffung von Waren und Dienstleistungen ähnlich professionell organisiert wie bei Markisen-Müller. Bis zu sieben Milliarden Euro gibt das Geldinstitut jährlich für Putztrupps, Schreibpapier oder Dienstwagen aus. Für jede Order müssen die Deutschbanker ein Formular ausfüllen, die Zahl der Lieferanten ist unüberschaubar.

Das antiquierte Beschaffungswesen kostet die Deutsche Bank jedes Jahr deutlich mehr als eine halbe Milliarde Euro. Diese Summe jedenfalls will Vorstandschef Josef Ackermann künftig beim Einkauf einsparen - mindestens. Vom kommenden Jahr an dürfen seine weltweit rund 70.000 Mitarbeiter nur noch von der Stange bestellen, aus einem Online-Katalog. Installieren und betreiben soll das Sourcing-System der IT-Dienstleister Accenture Börsen-Chart zeigen.

Die Deutsch-Banker sind nicht die einzigen Prasser in der hiesigen Konzernlandschaft. Auch in anderen Branchen gehen die Manager mit dem Geld nicht viel sorgfältiger um. Und das, obwohl verarbeitende Betriebe im Schnitt nur 45 Prozent ihrer Gesamtleistung selbst erzeugen. Der Rest wird teuer zugekauft. Grob gerechnet, hätte das produzierende Gewerbe im vergangenen Jahr allein durch effizienteres Einkaufsmanagement rund 20 Milliarden Euro sparen können.

Deutschlands Chefeinkäufer - die Missmanager der Republik?

Fest steht: Während Unternehmer landauf, landab über den grausamen Kostendruck durch den globalen Wettbewerb stöhnen, werfen sie bei der Beschaffung das Geld geradezu zum Fenster hinaus. Als hätten sie noch nie etwas von der alten Kaufmannsregel "Im Einkauf liegt der Gewinn" gehört.

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