Freitag, 19. Oktober 2018

Management Milliardengrab Einkauf

6. Teil: Professionelles Schnäppchenjagen

So ist in vielen Unternehmen ein unüberschaubares Durcheinander von Lieferantenverhältnissen entstanden. Der Elektronikriese Philips Börsen-Chart zeigen etwa arbeitet mit mehr als 50.000 Firmen zusammen. Diese Zahl will die neue Einkaufschefin Barbara Kux radikal verringern: "Mit so vielen Lieferanten können wir doch gar keine engen Partnerschaften eingehen."

"Ansehen und Qualität hängen direkt zusammen."
Lutz Kaufmann, Beschaffungsexperte an der WHU in Vallendar bei Koblenz, kritisiert die mangelnde Qualifikation vieler Einkäufer
Durch gute Zusammenarbeit mit verlässlichen Zulieferern lassen sich weit größere Spareffekte erzielen als durch simple Preisdrückerei. Entwickeln Käufer und Anbieter das Vorprodukt gemeinsam, fällt es meist deutlich günstiger aus, als wenn der Kunde einfach nur seine Wünsche vorgibt.

"Bei solchen Design-to-cost-Kooperationen sinken die Ausgaben oft um 20 Prozent und mehr", weiß Frank Zurlino, Einkaufsexperte der Unternehmensberatung Droege & Comp. Die Automobiltechnik von Siemens etwa entdeckte mit ihrem Kunden Opel Produktivitätsreserven bei der Fertigung von Klimaanlagen. Folge: Die Herstellkosten für die Geräte konnten um ein Fünftel gedrückt werden.

Vereinheitlichung der Beschaffung über das gesamte Unternehmen, Konzentration auf wenige enge Partner, Qualifikation der Einkäufer zu Supply Managern - die Rezepte zur Kostensenkung im Einkauf klingen simpel.

Und scheinen doch schwer umsetzbar zu sein. Noch verpulvern viele Konzerne wertvolle Milliarden, die sie im harten Konkurrenzkampf anderweitig einsetzen könnten.

Erst allmählich wächst das Bewusstsein für die gewaltigen Sparpotenziale im Einkauf. Immerhin: Rund 40 Prozent der Unternehmen haben das Problem schon einmal erkannt und steuern gegen wie die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen, Aventis Börsen-Chart zeigen oder ZF Friedrichshafen. Zugleich steigt die Zahl der Stellenanzeigen für hoch qualifizierte Supply Manager. Und an den Privatuniversitäten EBS und WHU schreiben sich zunehmend Studenten in die Kurse für Beschaffungswirtschaft ein.

Vielleicht lernen die deutschen Unternehmen ja doch noch, was die Konsumenten hier zu Lande längst beherrschen: das professionelle Schnäppchenjagen.


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