Freitag, 16. November 2018

Was macht eigentlich Werner Baldessarini?

2. Teil: "Bis dahin will ich schön gelebt haben"

"Bis dahin will ich schön gelebt haben"

Die Indianer, das Boxen, der Sport. Ein bunter Holz-Sioux bewacht auf der Terrasse das Haus und die neue Zweitgarage mit dem bulligen Jeep. Daneben Punching-Ball, Boxsack, Trimmrad für die eine Stunde Training täglich. An der Wand Trophäen: Ein Formel-1-Modell, signierte Helme von Mass, Schumacher, Häkkinen, Coulthard, Berger.

"Maximum 104 Jahre"
Werner Baldessarini
"Ich war beim Doktor, hab' mich untersuchen lassen: Maximum 104 Jahre", erzählt er fröhlich. "Bis dahin will ich schön gelebt haben."

Es gebe so viele Männer, die mit zunehmendem Alter immer wichtiger würden, zu denen zähle er sich nicht. Die Aufsichtsratsposten, die man ihm "massiv" angetragen habe - allesamt abgelehnt, keine "Wichtlmeierei".

"Ich bin ein Straßenköter, kein Afghane", bekennt Baldessarini. "Das ist nicht meine Welt."

Geld mag er nicht anhäufen, lieber ausgeben. Wie im Januar, als er ein paar Freunde - darunter Charles Schumann, Heiner Lauterbach und Uwe Ochsenknecht, die Box-Brüder - auf die Alm in "Rosi's Sonnbergstub'n" zu einer schrägen Winterfeier der Marke Baldessarini lud. Er präsentiert das Video des PR-Festes auf dem Großbildschirm im Salon.

Und als Udo Kier, gewandet in Königsornat, von einem verschneiten Thron herab "Hänsel und Gretel" deklamiert, ist Baldessarini glücklich.


Im Profil: Werner Baldessarini

Werner Baldessarini (59) lernte das Modehandwerk von der Pike auf. Aufgewachsen in einem Geschäft für "Kurz- und Galanteriewaren" am Münchener Goetheplatz, trat er eine Lehre als Textilkaufmann im Modehaus Hirmer an.

Beim Herrenausstatter Wagenheimer brachte er es über den Abteilungsleiter zum Chefeinkäufer und Geschäftsleiter. Hier lernte ihn Boss-Inhaber Uwe Holy kennen, der ihn 1975 zur Hugo Boss AG ins schwäbische Metzingen holte.

1988 rückte Baldessarini in den Vorstand auf, unter dem Vorstandsvorsitzenden Peter Littmann stieg er nach dem Ausscheiden der Holy-Brüder zum Stellvertreter auf. Von 1998 bis 2002 leitete er das Unternehmen, dessen Strategie er bereits lange Zeit entscheidend geprägt hatte.

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