Montag, 10. Dezember 2018

Trekking Laufen, bis die Berge glühen

3. Teil: "Von Psychohygiene und Läuterung"

Übersetzt in die Praxis, bedeutet das: Über lange Distanzen und Zeiträume in schwierigem Gelände unter schwerem Gepäck eine Gegend und - vor allem - sich selbst zu erkunden, besser: zu bezwingen. Hunger aushalten, Müdigkeit bekämpfen, Konzentration üben, Ängste bewältigen. Für Trekking-Autor Bernhard Rudolf Banzhaf ist Trekking "Psychohygiene", er empfindet dabei "Seelenbad und Läuterung".

Mühsal des Aufstiegs: Im Zillertaler Hauptkamm
Derlei Einkehr bleibt auch allerhöchster Segen nicht versagt. So lobte Heinz Schulte, Jesuitenpater und Philosphie-Dozent an der Münchener Universität, selbst ausgewiesener Weitwanderer, bereits vor einem Dutzend Jahren in einer Fachschrift ausdrücklich den Graßler-Weg als ideale Alpenüberquerung - nachdem er sie selbst unternommen hatte. "Bereits der erste Tag ist eine Wucht", staunte der Kirchenmann ganz weltlich.

So sieht es auch Ludwig Graßler. Als er mit seinen Begleitern unten im Tal losgeht, grünt und blüht alles. Bis zum Kamm steigt er dann Monat um Monat auf der Klimatreppe rückwärts. Oben angekommen, ist es Februar. Oder - geografisch betrachtet - Nordschweden. Graßler zückt seinen Höhenmesser: 1250 Meter.

Von hier fällt der Blick tief ins Tal auf die Türme von Benediktbeuern, dem beschaulich in der Ebene gelegenen Kloster. Dessen Bewohner versuchen seit alters, den wilden Bajuwaren christliche Gesittung nahe zu bringen.

 Lohn des Aufstiegs: Routenerfinder Ludwiger Graßler am Gipfelkreuz
Klaus Ahrens
Lohn des Aufstiegs: Routenerfinder Ludwiger Graßler am Gipfelkreuz
Ludwig Graßler erzählt die Geschichte der Abtei und auch gleich noch die des nahebei gelegenen Klosters Andechs, vormals Sitz eines Fürstengeschlechts, das ein Gebiet von Oberbayern bis an die Adria beherrschte. Auch die Unterweisung in Kulturgeschichte ist fester Bestandteil des Trekkings.

"Ein Märchenwald", sagt Graßler. Und abwärts geht es zwischen bizarr gewachsenen, bemoosten Fichten, die sich hier, dicht an dicht zusammengedrängt, gegen die Witterung stemmen. Bis, endlich, in einer Senke unmittelbar unter dem 500 Meter hoch bedrohlich aufragenden Felsabsturz der Benediktenwand, umflossen von eisigem Schmelzwasser, das Tagesziel auftaucht - die Tutzinger Hütte.

© manager magazin 7/2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH