Freitag, 14. Dezember 2018

Anlagerecht Tricks - ganz üble Tricks

3. Teil: Trick 2 - verdeckte Zahlungen

So paktierten während der 90er Jahre sowohl die Commerzbank Börsen-Chart zeigen als auch die zwischenzeitlich in der HypoVereinsbank Börsen-Chart zeigen aufgegangene Bayerische Hypotheken- und Wechselbank (Hypobank) im Baufinanzierungsgeschäft mit Drückerkolonnen. Dabei wurden der Hypobank-Klientel etwa 30 Prozent der vermittelten Kredite als Provision wieder abgenommen.

Trick 2: Verdeckte Zahlungen

Der Vorwurf: Das Bankhaus Gries & Heissel ließ sich von der Finanzfirma New York Broker Geschäft vermitteln und teilte die Provisionen mit dem Vermögensverwalter. Den Anlegern blieben diese so genannten Kick-backs verborgen.

Die Folgen: Weil die Bank die Zahlungen verschwieg, haftet sie für die Verluste, die New York Broker bei diesen Kunden anrichtete. Die Bank geht gegen das Urteil des Landgerichts Düsseldorf in Berufung.
Und noble Häuser wie die einstige Berliner Privatbank Gries & Heissel beteiligten auch halbseidene Vermögensverwalter an den Gebühren der ihnen zugeführten Wertpapiergeschäfte. Die Kunden erfuhren davon selbstverständlich nichts. Mit der Folge, dass die Konten und Depots der betroffenen Anleger anschließend mit gebührenträchtigen Börsengeschäften regelrecht ausgeplündert wurden.

Das Unrechtsbewusstsein etlicher Finanzhäuser ist offenbar ausgesprochen unterentwickelt, wenn es ums eigene Geldverdienen geht. Geschädigte Kunden, die ihre Ansprüche vor Gericht durchsetzen wollen, müssen sich auf jahrelange teure Auseinandersetzungen einstellen.

Nur allzu oft dient die harte Haltung der Finanzdienstleister aber lediglich dazu, klagewillige Anleger abzuschrecken. Denn die Chancen steigen, dass Banken und Finanzdienstleister wegen unsauberer Geschäftspraktiken zu Schadensersatz verurteilt werden. In jüngster Zeit kassierten die Instanzen bis hinauf zum Bundesgerichtshof einige der anrüchigsten Gepflogenheiten ein und verurteilten Geldhäuser und Vertriebskolonnen zu hohen Schadensersatzzahlungen.

Gries & Heissel-Filiale, Berlin
Norbert Michalke
Gries & Heissel-Filiale, Berlin
Einen richterlichen Rüffel fing sich etwa der schillernde Chef der Düsseldorfer Anlagevermittlung Investor Treuhand, Mario Ohoven (58), Mitte Februar ein. "Super Mario" ("Der Stern"), der sich gern als oberster Lobbyist des deutschen Mittelstandes feiern lässt und in Begleitung seiner Gattin, der Unesco-Botschafterin Ute Ohoven, ausgiebig Wohltätigkeitsbälle frequentiert, griff Mitte der 90er Jahre beim Vertrieb zweier Ost-Fonds deutlich zu tief in die Taschen der Anleger.

Ohoven hatte sich für die Dienste seiner fixen Verkäufer von den Initiatoren der so genannten Grundrenditefonds, der Frankfurter D.D.C. Beta Neue Länder Projekt-, Grundstücks- und Verwaltungs GmbH, ein ganz besonderes Vergütungspaket ausbedungen. Neben den im Verkaufsprospekt aufgeführten Vermittlungsgebühren ließ er sich per Geheimvereinbarung weitere Prozente gutschreiben. Auf diese Weise landete insgesamt rund ein Viertel der Anlegergelder auf den Konten der Investor Treuhand.

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