Dienstag, 11. Dezember 2018

Hans-Jörg Seeberger Der Globetrotter

Dugena, Goldpfeil, Joop, Junghans, Sioux - diese und noch viel mehr Luxusmarken gehören einem Deutschen, den kaum jemand kennt. Wer ist dieser unbekannte Unternehmer, der im fernen Hongkong wohnt? Ein Hausbesuch.

Langsam quält sich der Wagen den Berg hoch. Mit Tempo 40 fährt er auf der kurvenreichen Straße. Mit jedem Höhenmeter wird die Aussicht atemberaubender. Unten die Wolkenkratzer von Hongkong, oben auf dem Berg die Residenzen derer, die in den Hochhaustürmen der City das große Geschäft machen. Je höher die Wohnlage, so die banale Korrelation, desto reicher der Besitzer. Mit jedem Höhenmeter steigt der Immobilienpreis. Bei etwa 150 Meter über dem Meeresspiegel ist die Fahrt zu Ende.

 Sitzt meist auf gepackten Koffern: Egana-Chef Hans-Jörg Seeberger
Andreas Pohlmann
Sitzt meist auf gepackten Koffern: Egana-Chef Hans-Jörg Seeberger
"Mid-Level" heißt die Gegend hier. Während Hongkongs Superreiche ganz oben am Berg in protzigen Villen hausen, leben auf dem Mid-Level die einfachen Millionäre in eleganten Wohnsilos wie dem "Century Tower".

Im 19. Stock dieses Appartementhauses wohnt ein großer, schlanker Deutscher, der den Gast im grauen Zweireiher empfängt und gleich mit hessischem Akzent drauflosbabbelt. Willkommen bei Deutschlands wohl unbekanntestem Unternehmer: Hans-Jörg Seeberger.

Der 60-Jährige, der vor knapp 40 Jahren nach Asien auswanderte und von dort aus ein Firmenimperium namens EganaGoldpfeil schuf, ist allenfalls Branchenexperten geläufig. Dabei gebietet Seeberger über ein Reich von 35 Marken - darunter, neben Goldpfeil, so bekannte wie Dugena, Junghans, Sioux oder Joop.

Nahezu unbemerkt hat Seeberger einen feinen kleinen Luxuskonzern geschmiedet - gewissermaßen die deutsche Antwort auf die französische LVMH-Gruppe Börsen-Chart zeigen. Mit knapp 4700 Beschäftigten und einem Umsatz von 280 Millionen Euro rangiert EganaGoldpfeil inzwischen unter den Top Ten der globalen Luxusindustrie.

Der Markensammler aus dem fernen Hongkong entspricht so gar nicht dem deutschen Unternehmerklischee. Seeberger ist ein Abenteurer, ein Glückspilz, ein Malocher - kurz: ein Typ, wie es hier zu Lande nur wenige gibt. Einer, dessen Lebensgeschichte genug Stoff für einen Roman liefert.

© manager magazin 7/2004
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