Donnerstag, 14. Dezember 2017

Aktienmärkte Auf den Index setzen

3. Teil: "Selbst die Profis scheitern"

mm: Dafür lassen sich mit einem Ausstieg Verluste vermeiden.

Dartboard-Methode

Rationale Märkte: Ökonomen wie Malkiel glauben, dass jegliche Information bereits in den Kursen enthalten ist. Aktien steigen oder fallen nur, wenn Neuigkeiten die Erwartungen der Investoren verändern.

Perfekte Strategie: Weil niemand Nachrichten antizipieren kann, gibt es kein System, den Markt zu schlagen. Anders gesagt: Wer Dartpfeile auf Börsenkurse wirft hat genauso große Chancen wie ein Investmentprofi. Daraus folgt, dass Anleger nicht einzelne Werte, sondern den Index kaufen sollten.
Malkiel: Ich glaube nicht, dass damit viel gewonnen wäre. Dafür laufen Kurserholungen viel zu schnell und viel zu erratisch ab. Wenn Sie sich etwa die drei Jahrzehnte zwischen 1965 und 1995 auf dem US-Aktienmarkt anschauen, dann werden Sie Folgendes feststellen: Die wesentlichen Kursgewinne waren in dieser Zeit an nur 90 der insgesamt ungefähr 7500 Handelstage zu verzeichnen.

mm: Sie wollen Anlegern also zumuten, mit ihrem Vermögen jede Talfahrt an der Börse mitzumachen?

Malkiel: Unbedingt, Kaufen und Halten war in den vergangenen Jahrzehnten trotz aller Einbrüche die beste Strategie, und vieles spricht dafür, dass dies auch noch eine Weile so bleibt. Selbst die Profis scheitern, wenn sie versuchen, rechtzeitig ein- oder auszusteigen.

mm: Können Sie das belegen?

Malkiel: Wir haben die Timing-Qualitäten amerikanischer Aktienfondsmanager getestet. Dazu verfolgten wir die Barmittelquoten ihrer Portefeuilles bis zum Jahr 1968 zurück. Anschließend haben wir die Bargeldbestände an der Spitze einer Hausse mit dem Cash-Anteil im Tief einer Baisse verglichen. Wären die Fondsmanager imstande, Marktumschwünge zu antizipieren, also ihre Investments richtig zu timen, dann müssten sie viel Bargeld halten, wenn die Aktien auf Höchstständen notieren, um Verluste zu vermeiden. Andererseits sollten sie voll investiert sein, wenn die Kurse auf Tiefststände gefallen sind, um so am stärksten von der kommenden Erholung zu profitieren.

Das Ergebnis war für die Investmentbranche wenig schmeichelhaft. Wenn die Zeit zum Ausstieg reif schien, waren die meisten Fonds voll investiert, dagegen stiegen die CashQuoten am Ende einer Baisse regelmäßig an.

mm: Warum halten Sie so unerschütterlich daran fest, dass der durchschnittliche Fondsmanager auf Dauer schlechter abschneiden muss als der Markt?

Malkiel: Nehmen Sie sich doch einmal die Bilanz dieser Leute vor. Amerikanische Blue-Chip-Fonds schnitten zwischen Anfang 1982 und Ende 2001 jedes Jahr im Schnitt um 2 Prozentpunkte schlechter ab als der S&P-500-Index. Wenn Sie also 1982 100.000 Dollar in den S&P 500 investiert hätten, dann wären bis Ende 2001 rund 1,8 Millionen Dollar daraus geworden. Mit dem Kauf eines durchschnittlichen Blue-Chip-Fonds hätten Sie ungefähr 600.000 Dollar weniger verdient.

mm: Woran liegt das?

Malkiel: An den hohen Gebühren. Allein für das Management zahlen Sie jedes Jahr zwischen 1 und 1,5 Prozent Ihres Kapitals. Hinzu kommen noch hohe Transaktionskosten. Viele Manager schichten ihr Depot jedes Jahr einmal komplett um. Dafür geht noch einmal ein Prozentpunkt Ihres Geldes drauf. Wer sich also über Indexfonds an den Börsen engagiert, sollte darauf achten, so wenig Gebühren wie möglich zu zahlen.

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