Samstag, 16. Dezember 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Finanzplanung Wollen Sie bis 80 arbeiten?

Altersvorsorge: Vom drohenden Kollaps des staatlichen Rentensystems sind besonders die Leistungsträger betroffen. Wer heute gut verdient, sollte sich schleunigst um die Finanzierung seines Ruhestands kümmern. manager magazin zeigt, wie Sie planen müssen.

Rein statistisch gesehen, sind wir im Alter alle pleite. Deshalb verschwendet Dirk Herbert, diplomierter Mathematiker, auch gar keine Zeit damit, Kreuzfahrtpläne zu schmieden oder Rosenzuchtratgeber zu lesen.

  Zieht die Konsequenzen:  Diplom-Mathematiker Dirk Herbert will notfalls bis ins hohe Alter arbeiten
Lars Ternes
Zieht die Konsequenzen: Diplom-Mathematiker Dirk Herbert will notfalls bis ins hohe Alter arbeiten
"Ich werde noch mit 70 oder 75 arbeiten - und wenn es sein muss, weit darüber hinaus", sagt der 45-jährige Unternehmensberater: "Die staatliche Rentenkasse ist leer, und ein Vermögen für den Ruhestand zusammenzusparen, wiegt mich nur in falscher Sicherheit."

Der Mann vertraut allein auf sich selbst. Seine düstere Vision entspringt dem nüchternen Kalkül eines an mathematischen Modellen geschulten Gehirns. "Jede Form der Altersvorsorge", fürchtet er, "ist zum Scheitern verurteilt, weil sich das Verhältnis von Berufstätigen zu Rentnern in den nächsten Jahrzehnten dramatisch ändern wird. Die Umverteilung durch den Staat funktioniert nicht mehr, weil zu wenige junge Leute da sind, um die Alten zu finanzieren."

Aber auch Aktien, Lebensversicherungen oder Immobilien spielen in Herberts Gedankenwelt keine Rolle. Er sieht die Märkte kollabieren, wenn die Masse der künftigen Rentner ihr angespartes Kapital in 30 Jahren versilbern will.

War dies die Begegnung mit einem einsamen Fatalisten? Oder behält der Mann am Ende Recht? Müssen die heute 30- bis 50-Jährigen wirklich arbeiten bis zum Umfallen?

So grausam es klingen mag: Etliches spricht dafür. Vor allem die rapide alternde Bevölkerung. Im Jahr 2050, so hat das Statistische Bundesamt errechnet, wird jeder Dritte in Deutschland über 60 Jahre alt sein. Während heute auf 100 Personen im so genannten erwerbsfähigen Alter (20 bis 59) noch 44 Rentner kommen, werden es dann 78 sein.

Einen derart radikalen Wandel kann ein Rentensystem, das davon lebt, dass die Jungen für die Alten zahlen, kaum bewältigen.

Die Konsequenz: Die Generation der Babyboomer, die ab 2020 ihre Arbeitsplätze räumt, wird nicht nur erheblich weniger Rente bekommen, sondern auch deutlich länger arbeiten müssen. Schon für einen Durchschnittsverdiener, der sein gesamtes Arbeitsleben in die Rentenkasse eingezahlt hat, sinkt das staatliche Altersgeld von heute 70 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens auf voraussichtlich gerade einmal 53 Prozent im Jahr 2040 - und das gibt es nicht wie heute mit Anfang 60, sondern frühestens mit 65.

© manager magazin 5/2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH