Freitag, 16. November 2018

Fallstudie Der Firmenakrobat

Wie Adolf Merckle mit seinen Beteiligungen jongliert

Sein Aktienpaket des Pistenbully-Herstellers Kässbohrer hält Adolf Merckle über die UBH Unternehmens- und Beteiligungsholding mbh mit Sitz in Frankfurt. Die Gesellschaft ist eine der vielen Finanzdrehscheiben der Familie, in die Gewinne geschoben werden.

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Die UBH hieß einst "Zeitpress-Pressedienstverlagsgesellschaft für Gemeinwirtschaft" und gab Informationsmaterial der Gewerkschaften heraus. 1986 wurden Name und Firmenzweck geändert. Die Gesellschaft firmierte fortan unter UBH, erwarb Beteiligungen und verwaltete Vermögen.

Am 8. März 1988 erschien Adolf Merckle in den Räumen von Notar Rainer Kanzleiter in Neu-Ulm, ließ amtlich bekunden, dass er Alleineigentümer der Firma ist, und gab ihr erneut einen anderen Namen: MEA Unternehmens- und Beteiligungsholding. Seither lenkt Merckle die Geschicke der Gesellschaft persönlich - und baut sie stetig aus.

Am 30. Mai 1988 beantragte Merckle, die MEA in UBH zurückzutaufen.

Im Mai 2000 übertrug Merckle der UBH eine stille Beteiligung in Höhe von 950.000 Mark, die er bei seiner Generikafirma CT-Arzneimittel eingegangen war. Laut Akten erfolgte die Kapitalerhöhung "mit steuerlicher Wirkung vom 26. September 1999, 24 Uhr, und zivilrechtlicher Wirkung vom 25. Mai 2000".

Drei Tage vor Weihnachten 2000 informierte Merckle das Frankfurter Amtsgericht, dass er die Stammeinlage der UBH um eine weitere Millionen Mark erhöht hatte. Er hatte die Anteile an der Gebrüder Spohn GmbH, Neckarsulm, eingebracht.

Am Tag darauf erschien Merckles Finanzberaterin Susanne Frieß ohne beglaubigte Vollmacht vor einem Baseler Notar. Sie bestand trotz unvollständiger Papiere darauf, den Spohn'schen Einbringungs- und Übertragungsvertrag sofort zu beurkunden.

Im Juli 2001 bekam die UBH die nächste Finanzspritze. Merckle überschrieb ihr 25.910 Aktien der Kammgarnspinnerei zu Leipzig AG. An die textile Vergangenheit erinnert nur mehr der Name. Die AG ist eine Beteiligungsholding, deren Geschäftsbericht 2000 DaimlerChrysler-Aktien Börsen-Chart zeigen im Bestand ausweist. Mehrheitsaktionärin der Kammgarnspinnerei ist die ebenfalls von der Merckle-Gruppe beherrschte Kötitzer Ledertuch- und Wachstuch-Werke AG mit Rechtssitz in Berlin und Verwaltungssitz in Norderfriedrichskoog.

Das Stammkapital der UBH summiert sich mittlerweile auf 19 Millionen Euro.


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