Donnerstag, 15. November 2018

Autodesign Emotionen aus Chrom und Stahl

Nichts zählt beim Autokauf so sehr wie die Form, sagt Peter Schreyer. Der Chefdesigner von VW, der 2003 mit dem deutschen Design-Oscar prämiert wurde, über Autos, Anmut und Würde.

mm:

Herr Schreyer, was sagt Ihnen der Klang einer ins Schloss fallenden Golf-Tür?

 VW-Chefdesigner Schreyer: "Form und Optik eines Autos sind Kaufgrund Nummer eins geworden"
Bernd Schönberger
VW-Chefdesigner Schreyer: "Form und Optik eines Autos sind Kaufgrund Nummer eins geworden"
Schreyer: Das ist ein sattes, sonores Geräusch, das Solidität und Sicherheit vermittelt.

mm: Die Akustik spielt bei der Gestaltung eines Autos mittlerweile eine wichtige Rolle. Was bedeutet das für den Designer?

Schreyer: Die Wahrnehmung, die ich von einem solchen Produkt habe, ist nicht allein eine optische. Ein Auto soll nicht nur gut aussehen, sondern sich auch gut anhören. Nicht nur das Motorengeräusch, sondern auch wie die Tür schließt, ein Schalter klickt, die Zentralverriegelung zuschnappt.

mm: Sie sind seit anderthalb Jahren Chef der Designabteilung von Volkswagen. Gerade haben Sie als bisher jüngster Preisträger den Deutschen Design-Oscar vom Rat für Formgebung erhalten. Was ist für Sie das Beste, das Design leisten kann?

Schreyer: Design soll Mittler zwischen Mensch und Maschine sein. Unsere Hauptaufgabe ist es, Kunden zu begeistern, sie zu überzeugen und zu gewinnen. Dazu gehört, eine Marke darzustellen, den Charakter und das Image eines Produktes zu formen.

mm: Danach wäre Design vor allem die hohe Schule der Verpackung.

Schreyer: Wir Automobildesigner haben eine große Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit, schließlich prägen unsere Produkte das Straßenbild über lange Zeit. Wenn wir ein Auto entwerfen, dauert es erst mal einige Jahre, bis es auf den Markt kommt. Dann ist es vielleicht sieben Jahre in der Produktion, und anschließend lebt es noch einmal fünf bis zehn Jahre weiter, bis nur noch einige wenige davon unterwegs sind.

© manager magazin 12/2003
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