Mittwoch, 7. Dezember 2016

Kunstmarkt "Ein Werk muss nötig sein"

Was ist angesagt in der Szene? Worauf müssen die Käufer achten? Gerd Harry Lybke, Top-Galerist aus Berlin-Mitte, über Chancen und Fallen für Sammler.

mm:

Herr Lybke, welche Art Kunst sammeln Sie privat?

Lybke: Gar keine. Darüber habe ich nie nachgedacht, weil ich immer von Kunst umgeben war und bin. Anfangs habe ich noch in meinen Galerien gewohnt. Also gab es überhaupt keinen Privatraum. Und wenn ich heute Kunst sammeln würde, bekämen ja alle Leute, die an den Arbeiten meiner Künstler interessiert sind, nichts mehr ab. Weil ich alles behielte.

  Kunstmarkt:  Was ist angesagt in der Szene? Worauf müssen die Käufer achten? Gerd Harry Lybke, Top-Galerist aus Berlin-Mitte, über Chancen und Fallen für Sammler
NORBERT MICHALKE
Kunstmarkt: Was ist angesagt in der Szene? Worauf müssen die Käufer achten? Gerd Harry Lybke, Top-Galerist aus Berlin-Mitte, über Chancen und Fallen für Sammler
mm: Auf der "Art Basel" im Juni, der wichtigsten internationalen Messe für Gegenwartskunst, war das Angebot Ihrer Galerie bereits am ersten Abend nahezu ausverkauft. Wie kam es zu dem spektakulären Erfolg?

Lybke: Einfach gut geplant. Ich wusste vorher, was ich zeige, und habe das weltweit unter potenziellen Käufern bekannt gemacht. Und die haben ihr Interesse angemeldet und Arbeiten reserviert, um sie gleich am ersten Messeabend anzugucken ...

mm: ... gutes Marketing also?

Lybke: Nein, gute Arbeiten. Und ein bisschen Psychologie. Die Interessenten stehen dann vor den Bildern und müssen sich entscheiden, ob sie eine Arbeit nehmen oder nicht. Mit dem inneren Druck, dass sie der Nächste kauft, wenn sie noch zögern.

mm: Der SPIEGEL hat Ihnen "Instinkt für Avantgarde" attestiert, allenthalben werden Sie in den Medien als "erfolgreichster ostdeutscher Galerist" aufgeführt ...

Lybke: ... eine Untertreibung.

mm: Woran erkennen Sie die Qualität eines Künstlers?

Lybke: Ich muss sehen, dass ein Kunstwerk notwendig gewesen ist.

mm: Und wie, bitte, erkennen Sie das?

Lybke: Ich schaue mir eine Arbeit an, und weiß genau, ob es notwendig ist, dass sie auf dieser Welt existiert. Oder ob sie nur aus Langeweile gemacht worden ist.

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