Donnerstag, 29. September 2016

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Adolf Merckle Der Pate aus Blaubeuren

Adolf Merckle sammelt Unternehmen wie andere Uhren, sein Firmenreich regiert der Milliardär mit einer Hand voll Getreuer. Das Geschäftsmodell basiert vor allem darauf, Gewinne zu verschieben und Steuern zu minimieren.

Adolf Merckle (69) ist ein Investor, der seine Eigentümerrolle durchaus ernst nimmt. Das hat er auf der Hauptversammlung des Pistenbully-Herstellers Kässbohrer Börsen-Chart zeigen im vergangenen Frühjahr mal wieder bewiesen. Weil ihn die Präsenz der Kreissparkasse Biberach im Aufsichtsrat des Unternehmens zunehmend nervte, kegelte Mehrheitsaktionär Merckle den Bankenvertreter kurzerhand aus dem Kontrollgremium. Seither ist es fest im Griff des Merckle-Clans; die Sparkasse, immerhin mit 39,9 Prozent an der Firma beteiligt, hat nichts mehr zu melden.

  Corporate Governance by Merckle:  Der Industriellen-Clan verdient mit seinem bizarren Geschäftsmodell ein Vermögen
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Corporate Governance by Merckle: Der Industriellen-Clan verdient mit seinem bizarren Geschäftsmodell ein Vermögen
Wenige Stunden nach der Hauptversammlung nahm Patriarch Adolf seine Eigentümerrechte ein zweites Mal wahr. Er feuerte den Vorstandsvorsitzenden Hendrik Grobler. Der angesehene Chef des Weltmarktführers für Skipistenfahrzeuge (Umsatz: 130 Millionen Euro) hatte sich unter anderem erdreistet, für 25 Millionen Euro eine neue Fabrikhalle plus Bürogebäude bauen zu lassen. Das fand der sparsame Eigner zu teuer. Also griff er ein (siehe: "Der mit den Pistenbullys tanzt").

Corporate Governance by Merckle.

Kaum eine deutsche Unternehmerdynastie agiert so unberechenbar und schonungslos wie der Merckle-Clan aus Blaubeuren. Binnen weniger Jahrzehnte haben Adolf Merckle, seine Frau Ruth und ihre Kinder Ludwig, Philipp und Jutta ein Konglomerat geschaffen, das rund 18 Milliarden Euro umsetzt. Die Familie zählt zu den Reichsten der Republik.

Die Firmengruppe ist breit aufgestellt: Sie fertigt Windkraftgeneratoren, betreibt Skilifte und züchtet sogar Schafe. Die Perlen im Portfolio sind Ratiopharm, Europas größter Generikahersteller, und Phoenix, Deutschlands führender Pharmahändler.

So unorthodox der Produktmix, so ungewöhnlich auch die Managementmethoden des Merckle-Clans. Familienoberhaupt Adolf führt seinen Konzern wie ein Industrieller seine Fabriken im vorigen Jahrhundert: Wer für ihn arbeiten will, muss ihm treu ergeben sein. Rechthaberisch und streitsüchtig legt sich der Rechtsanwalt mit fast jedem an, der aufmuckt. Merckle führt Prozesse wie andere Tagebuch.

Kaum eine List, kaum eine Trickserei, die der raffinierte Winkeladvokat nicht schon genutzt hat, um sein Geld zu mehren. Während die meisten Unternehmer darauf bedacht sind, ihr Kerngeschäft voranzutreiben, folgt Merckle offenbar allein der Maxime, seine Steuerlast zu minimieren.

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