Mittwoch, 14. November 2018

Ciro Paone Schneider aus Leidenschaft

Ciro Paone, Patron der hochfeinen neapolitanischen Konfektionsmanufaktur Kiton, spricht im Interview mit manager magazin über edle Stoffe, guten Stil und deutsche (Anzug)-Unarten.

mm:

Signore Paone, wie alt waren Sie, als Sie zum ersten Mal einen Anzug getragen haben?

"Es ist die größte Gnade Gottes, dass Geld nicht Stil bedeutet."
Ciro Paone, Nobelschneider aus Neapel
Paone: Mit 13 Jahren habe ich die Schule abgeschlossen und begonnen, im Geschäft meines Vaters zu arbeiten. Seither trage ich Anzüge.

mm: Aus beruflichen Gründen?

Paone: Meine Familie arbeitet seit etwa 160 Jahren mit Stoffen, und weil wir den Schneidern die Stoffe auch verkauften, hatte ich den Wunsch, gut angezogen zu sein. Krawatte, Hemd, Jacke, wie es sich gehört. Und lange Hosen natürlich, für mich eine regelrechte Eroberung - damit wurde ich zum Mann.

mm: Der Anzug als Ausweis des Erwachsenseins?

Paone: Ich habe sogar angefangen zu rauchen, um männlicher zu wirken.

mm: Ihre Firma Kiton schneidert mit rund 400 Mitarbeitern etwa 20.000 Anzüge im Jahr zu Preisen zwischen 1500 und 4000 Euro pro Stück. Zu Ihren Kunden zählen oder zählten der Fiat-Chef Giovanni Agnelli, Briten-Prinz Charles, Donald Trump ...

Paone: ... ich nenne keine Namen.

mm: Auf jeden Fall aber viele Reiche und Prominente. Was haben Ihre Anzüge, was andere nicht haben?

Paone: Ich weiß nicht, was die anderen nicht haben. Aber unsere sind mit sehr viel Liebe, Leidenschaft und einem kleinen bisschen Kompetenz hergestellt.

mm: Und woran erkennen wir Leidenschaft und Liebe bei einem Anzug?

Paone: An der Weichheit, der Anschmiegsamkeit bei den Bewegungen. Es ist ein Anzug, der nicht hundertprozentig perfekt ist, weil von Hand genäht. Man sieht, dass Handwerk im Spiel ist und Empathie. Wie bei einem Künstler, einem Maler zum Beispiel, der einen unverwechselbaren Pinselstrich besitzt und damit gestaltet.

mm: In Deutschland etwa trägt sogar der Inhaber des Bielefelder Bekleidungshauses Windsor, Jochen Holy, Anzüge aus Ihrem Haus ...

Paone: ... keine Namen. Wir sind auch Lieferanten für etliche europäische Königshäuser, von vielen Regierungs- und Staatschefs, ich werde aber nicht sagen, welche.

mm: Welche Rolle spielt für Sie Deutschland als Bekleidungsmarkt?

Paone: Ich habe Deutschland sehr viel zu verdanken, auch weil es ein Land ist, in dem ich einen Teil meiner Jugend zubringen durfte. Seit 34 Jahren bin ich dort auch geschäftlich präsent.

© manager magazin 10/2003
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