Samstag, 30. Juli 2016

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Atlantik-Brücke Mächtige Allianz

Prominente aus Wirtschaft und Politik fördern "Young Leaders".

Im Kreise einflussreicher Freunde lebt es sich nicht ohne Risiko. Stürzt einer der Alliierten über einen Skandal, leidet auch das Image seiner Getreuen.

  Young Leaders:  Die Atlantik-Brücke hegt und pflegt junge Talente - viele machen später Karriere und verwenden sich für den Verein.
Norbert Michalke
Young Leaders: Die Atlantik-Brücke hegt und pflegt junge Talente - viele machen später Karriere und verwenden sich für den Verein.
Dass Beziehungen schaden können - wer wüsste dies besser als die Mitglieder der Atlantik-Brücke. Den Vorsitz des Vereins zur Pflege der deutsch-amerikanischen Freundschaft versah jahrelang ausgerechnet ein Mann, der 1999 in der CDU-Parteispendenaffäre Schlagzeilen machte: Walther Leisler Kiep. Wie peinlich für das honorige Netzwerk, das Kieps Amt umgehend Arend Oetker übertrug.

Den 1952 gegründeten Klub der Amerika-Freunde sponsern 400 Unternehmen und Privatpersonen. Letztere zählen allesamt zur Top-Prominenz deutscher Wirtschaft und Politik: Deutsche-Bank-Legende Hilmar Kopper, Telekom-Eminenz Hans Dietrich Winkhaus oder Otto Graf Lambsdorff kümmern sich um ein gedeihliches Verhältnis zu den Vereinigten Staaten.

Was die Allianz der Mächtigen für angehende Führungskräfte interessant macht, ist das "Young Leaders"-Programm. 25 Nachwuchstalente aus den USA, Kanada, Deutschland und anderen europäischen Ländern treffen sich eine Woche lang irgendwo in der Welt, um sich über ihre Länder auszutauschen und hochrangigen Gästen zuzuhören.

Mit von der Partie sind junge Manager, Politiker und Beamte, aber auch mal ein Journalist oder ein Regisseur.

Nach dem Ende des Treffens geht das Netzwerken per E-Mail weiter. Die deutschen Young Leaders bringt Geschäftsführerin Beate Lindemann immer wieder zusammen. Mal findet man sich zum festlichen Abendessen in der chinesischen Botschaft ein, mal lädt ein Unternehmen zum vertraulichen Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden.

Wie man Young Leader wird? Erkaufen lässt sich die Einladung nicht. US-Erfahrung oder die Aussicht auf eine große Laufbahn sind hilfreich, entscheidend ist jedoch eine Empfehlung. Diese kann von einem Mitgliedsunternehmen kommen - die Deutsche Bank, Goldman Sachs oder DaimlerChrysler entsenden viel versprechende Nachwuchsmanager - oder von ehemaligen Teilnehmern.

Die Fürsprecher haben offensichtlich ein gutes Auge. Viele Young Leaders machen später Karriere: Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner, EADS-Vorstand Thomas Enders, Stahlunternehmer Jürgen Großmann und Bildungsministerin Edelgard Bulmahn wurden in jungen Jahren für die Atlantik-Brücke entdeckt.

Ein elitärer Kreis eben, seit nunmehr 51 Jahren.


Im Profil: Freunde Amerikas

Organisation: Die Atlantik-Brücke wurde 1952 in Hamburg von dem Bankier Eric M. Warburg initiiert. Der Sitz des Vereins befindet sich heute im Magnus-Haus am Kupfergraben in Berlin. Das "Young Leaders"-Programm bringt junge Führungskräfte aus Deutschland, den USA, Kanada und Europa zusammen. Die deutschen Teilnehmer werden nach dem Treffen intensiv betreut.

Zugang: Nur auf Empfehlung.

Auswahl: Rund 200 Kandidaten zwischen 28 und 35 Jahren werden zur Bewerbung aufgefordert, 25 von ihnen erhalten eine Einladung.

Kontakt: www.atlantikbruecke.org


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