Samstag, 17. November 2018

SdK Aktionärsschützer auf Abwegen

Das merkwürdige Verhalten der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre im Fall MLP

Lange Zeit war das Wertpapier mit der Kennnummer 656 990 einer der größten Posten im Depot der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Bis vor fünf Monaten.

Abgestürzt: Entwicklung der MLP-Aktie im Vergleich zum Dax 30
"Das Mitglied Meier weist darauf hin, dass die Aktie MLP nach seiner Meinung überbewertet ist und man undurchsichtige Bilanzpraktiken befürchten muss. Er empfiehlt den Verkauf", heißt es im Protokoll der SdK-Mitgliederversammlung vom 13. April. Bereits Anfang Mai meldet die Hauspostille "Aktionärsreport" Vollzug: "Die SdK hat den größten Teil ihrer MLP-Aktien veräußert." Der Erlös: eine sechsstellige Summe.

Ausstieg zur rechten Zeit. Wenige Tage später stürzt der Kurs ab; das Magazin "Börse Online" hatte am 16. Mai über angebliche Bilanzmanipulationen bei MLP berichtet. In der Folgezeit verliert das Papier, gegen das offenbar auch Hedgefonds massiv spekulieren, drei Viertel an Wert.

Die SdK gerät nun in den Ruch, zum Kursverfall beigetragen, vorher aber schnell Kasse gemacht zu haben.

Direkt nach der Mitgliederversammlung im April hatte SdK-Vize Markus Straub begonnen, in Sachen MLP zu recherchieren. Doch erst als der "Börse Online"-Bericht vorliegt, meldet auch die SdK erstmals öffentlich Zweifel am MLP-Jahresabschluss an.

Voll auf Angriff. Straub prangert in der Folge Transparenzmängel an, kritisiert Gutachten, fordert eine Sonderprüfung und stellt ein fettes MLP-Dossier ins Internet. Sein ungewöhnlich forsches Auftreten bleibt nicht die einzige Merkwürdigkeit.

Wenige Tage nach dem "Börse Online"-Bericht erscheint eine MLP-Studie der bis dahin unbekannten United Zurichfinance. Ihr vernichtendes Urteil: "Strong Sell - High Risk". Ein Verkaufsargument: Die SdK scheine "eine ernsthafte Attacke gegen das Unternehmen vorzubereiten".

Eigenartig auch: Eine Woche später, am 28. Mai, tritt die SdK auf der MLP-Hauptversammlung in ungewohnt starker Besetzung auf. Neben Straub reisen Vorstand Harald Petersen und der Münchener Sprecher Tobias F. Bosler an. Der fällt durch besonders harte Fragen an MLP-Chef Bernhard Termühlen auf.

Spekulanten im Spiel. Dessen Mitarbeiter raunen von einer unheiligen Allianz zwischen der SdK und Finanzjongleuren. Tatsächlich gibt es eine Verbindung zwischen Bosler und der Hedgefonds-Szene. Der SdK-Mann war leitender Mitarbeiter der VEM Virtuelles Emissionshaus, einer Beteiligung der Value Management & Research (VMR). Den VEM-Aufsichtsrat führt SdK-Chef Klaus Schneider. In dem Gremium saß auch VMR-Gründer Florian Homm.

Der Finanzmann ist heute Portfoliomanager des ARE Funds, eines Hedgefonds mit Postanschrift auf den Cayman Islands. Just jener Fonds rühmt sich gelungener MLP-Spekulationen - und verweist dabei auf das Research der mit ihm verbandelten United Zurichfinance.

Alles Zufall? Die SdK-Leute hatten Kontakt zu Homm, bestreiten aber energisch, etwas mit den Börsenspekulationen zu tun zu haben.

Dennoch: Dem Ruf der SdK, so altgediente Mitglieder, habe der Fall MLP bereits geschadet. Die Organisation habe sich zu schnell unbewiesene Behauptungen zu eigen gemacht. "So etwas", ärgert sich ein SdK-Mann, "darf einer Schutzgemeinschaft nicht passieren."

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