Samstag, 17. November 2018

Die 50 Mächtigsten 2002 Wer die Deutschland AG steuert

3. Teil: Wer mit dem Kanzler kann

Lange Zeit blieben die Manager in ihren Zirkeln unter sich. Politiker waren - sieht man von den regionalen Netzwerken ab - allenfalls Zaungäste.

Das änderte sich unter Kanzler Schröder. Während Vorgänger Helmut Kohl aus seiner Abneigung gegenüber den Wirtschaftsführern kein Hehl machte, sucht Schröder geradezu ihre Nähe. Sie mögen den Kanzler der Bosse, weil er ihnen zuhört. Scherzhaft tituliert er sich als "Vorstandsvorsitzender der Deutschland AG".

Treffpunkt Berlin: Die Hauptstadt entwickelt sich zur neuen Begegnungsstätte von Politik und Wirtschaft. Man trifft sich - natürlich - im Restaurant "Borchardt" (Foto), flaniert rund um den Gendarmenmarkt. Oder man verabredet sich in den Tophotels "Adlon" und "Four Seasons". Schrempp speist lieber im "Palace Hotel", Hundt geht mit Schröder ins "Quadriga" - wegen der Weinkarte.
Treffliche Gelegenheiten des Näherkommens bieten Kanzlerreisen in ferne Länder. Nach Indien und China begleiteten ihn 47 Manager und Unternehmer, darunter Manfred Schneider (Bayer), Schulte-Noelle und Heinrich von Pierer (Siemens). Im Luftwaffen-Airbus drosch der Kanzler dann schon mal Skat mit von Pierer & Co. - Rotwein und Cohibas stets in Reichweite.

Seit Schröder kungelt Big Business mittlerweile auch in Berlin. Mal lädt er eine Topmanager-Runde in die achte Etage des Kanzleramts ein, mal revanchiert sich Jürgen Schrempp mit Bodenseefelchen und Maultäschle von Flusskrebsen im Restaurant "First Floor" des "Palace Hotels".

So wird Berlin, ganz anders als Bonn, zum Treffpunkt der Eliten aus Politik und Wirtschaft. Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt sagt: "Berlin ist nicht nur um Prozente, sondern um Potenzen interessanter als Bonn."

Viele Manager reisen inzwischen häufig und gern nach Berlin. Einige, wie Rolf-E. Breuer (Deutsche Bank), haben dort bereits eine Zweitwohnung. Manche ziehen ganz um, Arend Oetker (Schwartau) und Heinz Dürr (Dürr AG) zum Beispiel.

Immer wichtiger - und das nicht nur in Berlin: Die Netzwerkmanager treffen sich auch außerhalb von Konferenzsälen und Vorstandsetagen. Gesellschaftliche Events, öffentliche wie private, sind heute ein Muss für kontaktfreudige Wirtschaftsführer.

Doch welche Veranstaltungen sind in, welche out?

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