Mittwoch, 19. September 2018

Allianz Schock-Options

Ein Jahr nach Übernahme der Dresdner Bank arbeitet der Münchener Versicherer an einer neuen Struktur für sein Frankfurter Geldhaus. Nach den jüngsten miserablen Zahlen stellt sich vor allem eine Frage: Wird das Institut jetzt aufgeteilt?

Für ihr Jahrestreffen mit dem internationalen Beraterkreis Anfang Juni hatte die Allianz einen standesgemäßen Rahmen gewählt. In Rom, im noblen "Hotel de Russie", gleich neben der Piazza del Popolo, kamen Konzernchef Henning Schulte-Noelle (59) und seine Vorstandskollegen mit Größen der internationalen Wirtschaft zusammen.

 Allianz: Teilt der Versicherer die Dresdner Bank jetzt auf?
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Allianz: Teilt der Versicherer die Dresdner Bank jetzt auf?
Ausführlich diskutierten die Spitzenmanager über die Folgen der Globalisierung. Aber auch die Kultur kam nicht zu kurz. Eine Besichtigung der Sixtinischen Kapelle, ein Spaziergang über das Forum Romanum - so viel Zeit musste sein.

Ganz ohne Arbeit ging das Treffen aber doch nicht zu Ende. Am Samstagmorgen, Punkt sieben Uhr, trafen sich die Allianz-Vorstände Paul Achleitner (45), Helmut Perlet (55), Bernd Fahrholz (54) und Leonhard Fischer (39) zum Strategiefrühstück. Zusätzlich war Klaus Rosenfeld (36), designierter Finanzvorstand der Allianz-Tochter Dresdner Bank, am Vorabend eingeflogen.

Einziges Thema der Runde: die Zukunft der Dresdner Bank.

Wertberichtigungen auf faule Kredite in Milliardenhöhe und die Börsen-Baisse haben offen gelegt, dass die Firmen- und Kapitalmarktsparte, der Kern der alten Dresdner Bank, in einem Dilemma steckt. Für einen Nischenplayer, so der Befund der Runde, sei das Institut zu breit aufgestellt, für ein europäisches Powerhouse viel zu schwach.

Dazwischen aber gebe es kaum eine Chance, dauerhaft profitabel zu operieren.

Die fünf Manager, allesamt ausgewiesene Finanzprofis, waren sich einig: Es besteht Handlungsbedarf.

Ein Jahr nach Übernahme der Dresdner Bank denken die Strategen des Konzerns fieberhaft darüber nach, wie sie mit dem traditionsreichen Geldhaus weiter verfahren sollen. Und sie wissen, dass sie möglichst bald Antworten auf drängende Zukunftsfragen liefern müssen:

  • Kann die Allianz es sich noch lange leisten, die Dresdner als Universalbank fortzuführen?
  • Muss die Bank jetzt endgültig zerschlagen werden, um die Einzelteile (Privat- und Geschäftskunden, Firmenkunden- und Kapitalmarktgeschäft) weiterentwickeln zu können
Fest steht: Auch unter dem neuen Eigentümer Allianz gibt es für die Dresdner Bank als Ganzes keine Bestandsgarantie. Wer glaubte, das leidgeprüfte Institut habe nach den Irrwegen der vergangenen Jahre endlich eine sichere Heimat gefunden, wurde spätestens im März beim Treffen der 150 obersten Führungsleute des Konzerns eines Besseren belehrt.

"Wer zu unserem Kerngeschäft gehören will", so Vorstandschef Schulte-Noelle damals in Königstein, "muss einen positiven Wertbeitrag abliefern." Geschäftsfelder, denen dies mittelfristig nicht gelinge, müssten damit rechnen, aussortiert zu werden.

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