Sonntag, 24. März 2019

Allianz Schock-Options

4. Teil: Die Problemsparte

Im Vergleich zu den Problemen, die Fahrholz zu bewältigen hat, erscheint die Aufgabe seines Kollegen Leonhard Fischer wie eine Mission Impossible. Der Kapitalmarktprofi hat Order, die Großkundendivision der Dresdner vom Wertevernichter zum Werteschaffer umzudrehen.

Im Stresstest: Investmentbanker Fischer kämpft um die Zukunft seiner Sparte
Von seinen 9000 Investmentbankern hat er mehr als 1500 entlassen, die Kosten von 3,8 auf 2,7 Milliarden Euro heruntergeprügelt. Doch die Sparte verliert immer noch Geld.

Das liegt vor allem an dem katastrophalen Kreditportfolio, das Fischer geerbt hat. In den 90er Jahren war die Dresdner in großem Stil in den USA, in Südamerika und Asien eingestiegen. Heute muss sie teuer für die Ausflüge bezahlen: 1,9 Milliarden Euro Wertberichtigungen waren 2001 fällig. Für dieses Jahr wird es nicht viel weniger.

Jetzt werden die Kreditengagements drastisch zurückgefahren, und ein modernes Risikomanagement wird installiert. Doch bis sich das in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung voll auswirkt, vergehen noch mindestens zwei Jahre.

Die Krise am Kapitalmarkt hat die Probleme in Fischers Bereich "Corporates & Markets" noch verschärft. Im Aktiengeschäft sowie in der Beratung bei Fusionen und Übernahmen (M&A) läuft - wie in der gesamten Branche - fast nichts. Im Anleihegeschäft schlägt sich die Dresdner wacker, hat sogar Marktanteile gewonnen. Aber das reicht nicht, um das Ergebnis ins Plus zu retten.

Fahrholz und Fischer ist klar, dass es mit Kostensenkungen allein nicht getan ist. Bei einem schwierigen Kapitalmarktumfeld, das zeigen die vergangenen Monate, können mittelgroße Investmentbanken wie die Dresdner kaum überleben.

Etliche Male hat das Dresdner-Führungsduo Fahrholz/Fischer sich in den vergangenen Monaten mit der Allianz über mögliche Lösungen beraten, zuletzt in Rom. Alle Optionen sind mehrfach ausdiskutiert:

  • Die Bank versucht, einigermaßen durch die Krise zu kommen, die Allianz trägt die Verluste, und alle warten auf bessere Zeiten am Kapitalmarkt; ein solches Durchwursteln halten alle Beteiligten für hochriskant.
  • Wachsen durch Zukäufe; dafür will die Allianz kein Geld in die Hand nehmen. Schließlich sind die Synergien zwischen Corporates & Markets und ihrem übrigen Geschäft minimal.
  • Weitere Kostensenkungen durch den Verzicht auf einzelne Aktivitäten, zum Beispiel die M&A-Beratung; die Folgeschäden im verbliebenen Geschäft wären womöglich größer als die Einsparungen.
  • Ein Verkauf der Sparte an ein anderes Geldhaus; das wäre derzeit nur zum Krisendiscount möglich.

© manager magazin 8/2002
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