Samstag, 15. Dezember 2018

Allianz Schock-Options

3. Teil: Die nackten Zahlen

Immer wieder schafft Schulte-Noelle es, seine Führungsmannschaft nach außen als geschlossene Einheit zu präsentieren. Doch intern rumort es. Vor allem im Mittelmanagement hat sich eine Kultur des Misstrauens zwischen Frankfurt und München breit gemacht. Viele Allianz-Mitarbeiter fragen, was sie sich mit dem Bankhaus eingehandelt haben. Für sie kümmern sich die neuen Kollegen zu viel um Intrigen und zu wenig ums Geschäft. Und bei der Dresdner gehört es fast schon zum guten Ton, an der Kompetenz der Allianz im Bankgeschäft Zweifel zu äußern.

Gang an die Wall Street: Die zum Allianz-Listing Anfang November 2000 verhüllte New York Stock Exchange
Schulte-Noelle und sein Dresdner-Sonderbeauftragter Perlet haben sich von alldem bisher nicht irritieren lassen. Sie ziehen die Operation unbeirrt durch. 5000 Mitarbeiter haben die Bank bereits verlassen, 3000 weitere müssen noch gehen. 300 von 1100 Filialen wurden dichtgemacht.

Fahrholz, so die Vorgabe, soll rigoros Kosten drücken und Synergien zwischen Bank und Versicherung heben. Sprich: die Belegschaft in den Zweigstellen anspornen, mehr Allianz-Policen zu verkaufen.

Obendrein soll er als Chef des neuen Ressorts Allianz Dresdner Financial Services (ADFS) die Vertriebskanäle im Inland (Versicherungsvertreter, Filialen, Direktbank, Finanzplaner) zu einem schlagkräftigen Allfinanzverbund ausbauen.

Der Jurist, in der Bank (und inzwischen auch in München) als Workaholic bekannt, tut, was er kann. Er hetzt von einer Konferenz in die nächste, stets - wie es seine Art ist - bis ins Detail vorbereitet. Seit zwei Jahren hat sich der Dresdner-Chef keinen Urlaub mehr gegönnt. Mitarbeiter fragen sich, wie lange Fahrholz das Tempo noch durchhält.

Seine Möglichkeiten, ADFS zum Durchbruch zu verhelfen, sind begrenzt. Fahrholz muss sich auf die Rolle eines Koordinators beschränken, anordnen darf er wenig.

Viele im Konzern halten ADFS für eine Quasselbude. Alle paar Wochen kommen die Chefs der wichtigsten Einheiten zusammen - darunter die Alt-Allianzler Reiner Hagemann (54, Sachgeschäft Deutschland) und Gerhard Rupprecht (53, Allianz Leben) - und verabreden, was zu tun ist. Dann gehen die Herren auseinander, und jeder macht, was er für richtig hält.

Soll rigoros Kosten drücken: Dresdner-Chef Fahrholz
Die nackten Zahlen mögen passabel aussehen. Im ersten Quartal hat die Allianz gut dreieinhalb Mal so viele Policen über die Bankfilialen verkauft wie im Vorjahr. Allerdings war die Ausgangsbasis bescheiden.

Enttäuscht von der Vertriebsstärke der neuen Allianz sind vor allem die Vermögensverwalter aus der Asset-Management-Sparte von Joachim Faber (52). Anteile im Nettovolumen von drei Milliarden Euro will Fabers deutsche Fondsgesellschaft Dit in diesem Jahr absetzen. Wie sie das schaffen soll, ist ein Rätsel. Nur jeder Fünfte der 12.000 hauptamtlichen Allianz-Agenten verkauft Investmentfonds.

Auch von der Dresdner kommt zu wenig Neugeschäft. In der Allianz zweifeln inzwischen viele an der Vertriebskompetenz der Bank. Deren Privatkunden-Vorstand Andreas Georgi, vor allem aber der für die Filialen zuständige Gerhard Richter, ecken häufig bei Allianz-Vertriebsmann Hansjoerg Cramer an.

Eine neue Marketingoffensive soll jetzt zu mehr Geschäft verhelfen.

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