Montag, 19. November 2018

Hall of Fame 2002 - Laudatio Ulrich Hartmann über Günter Vogelsang

Bereits als Corporate Governance noch kein Begriff in Deutschland war, hat er funktioniernde Kontrolle der Unternehmensführung nicht nur gefordet, sondern gelebt.

"Eine Laudatio für Sie, Herr Professor Vogelsang, zu halten, ist alles andere als einfach. Denn für wen hält man diese Laudatio? Für den erfolgreichen ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Krupp? Für einen Multi-Aufsichtsrat? Oder für einen der einflussreichsten freien Unternehmensberater in Deutschland? Eine alles umfassende Berufsbezeichnung lässt sich für Sie einfach nicht erfinden.

Auch die Journalisten, unter denen es ja fantasievolle Metaphoriker gibt, sind bisher an dem Phänomen Günter Vogelsang gescheitert. Als "Graue Eminenz vom Rhein" werden Sie in der Presse bezeichnet, als "Stahlmoderator", als "eine der einflussreichsten Figuren der deutschen Wirtschaft". Das alles sind Sie zwar, aber keiner dieser Begriffe wird Ihnen wirklich gerecht.

Ihre berufliche Vita ist in Deutschland sicher einzigartig. Dass Toppositionen auch von jungen Managern erreicht werden können, haben Sie bereits Jahrzehnte vor der Ära der New Economy eindrucksvoll bewiesen. Nach Ihrem Studium der Betriebswirtschaft bei Eugen Schmalenbach in Köln wurden Sie Wirtschaftsprüfer - ein Beruf, den Schmalenbach als ein "bewährtes Sprungbrett für tüchtige Kaufleute" beschrieb.

Und damit sollte er Recht behalten. Damals entdeckten Sie, dass Ihr Mandant Willy H. Schlieker - der erste große internationale Stahlhändler nach dem Zweiten Weltkrieg - die seinerzeit stolze Summe von ganzen sieben Millionen Mark zu viel an das Finanzamt bezahlt hatte. Damit machten Sie von sich reden. Keine Frage - natürlich erreichten Sie auch die Rückzahlung der Millionen.

Berthold Beitz erkannte Ihr Talent und holte Sie schon mit 34 Jahren zu Krupp nach Essen in die Konzernleitung. Bereits vier Jahre später wurden Sie Vorstand, zunächst beim Hüttenwerk Bochumer Verein, dann gingen Sie nach Düsseldorf als Finanzchef von Mannesmann.

Mit 48 Jahren übernahmen Sie schließlich den Vorstandsvorsitz bei Krupp. Innerhalb einer einzigen Amtsperiode gelang Ihnen hier das schier Unmögliche: Sie haben den Konzern grundlegend saniert und vom Rande des Ruins zurück in die Gewinnzone geführt.

Dieser außergewöhnlichen Leistung folgte nach 15 Jahren erfolgreicher Vorstandsarbeit ein ebenso außergewöhnlicher Schritt: Mit 52, einem Alter, in dem andere erst in Spitzenpositionen vordringen, suchten Sie schon wieder neue Herausforderungen - und zwar diesmal in einem Ein-Mann-Betrieb. Als freiberuflicher Wirtschaftsberater machten Sie sich unabhängig von der engen Einbindung in einen Konzernverbund.

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